Politik
Flucht von Carlos Ghosn: Knaller der besonderen Art
Der geschasste frühere Chef der Allianz aus Renault, Nissan und Mitsubishi Motors, Carlos Ghosn, hat sich zum Jahresende auf abenteuerliche Weise in seine alte Heimat Libanon abgesetzt. Der ehemalige Spitzenmanager entzog sich damit der japanischen Gerichtsbarkeit, die für April einen Prozess gegen den früheren „Auto-König“ wegen Untreue und Fälschung von börsenrelevanten Dokumenten sowie massiver Steuerhinterziehung plante. So soll Ghosn seine finanziellen Entschädigungen von Nissan bei der Steuerbehörde nicht in voller Höhe angegeben haben. Ihm drohten bis zu 15 Jahre Gefängnis.
Nach seiner gelungenen Flucht meldete sich Carlos Ghosn mit einem Statement. „Ich bin nun im Libanon und werde nicht mehr von einem manipulierten japanischen Justizsystem als Geisel festgehalten“, verkündete er. Der früher verehrte Manager behauptete: „Ich bin nicht geflohen, sondern habe mich von der Ungerechtigkeit und der politischen Verfolgung befreit.“
Einzelheiten der Flucht noch unklar
Im April kam der gesundheitlich schwer gezeichnete 65-Jährige gegen eine Kaution von umgerechnet 12,3 Millionen Euro sowie unter Auflagen aus der Untersuchungshaft frei und stand unter Hausarrest. Ihm war untersagt, das Land zu verlassen. Dafür musste er seine drei Pässe – aus Frankreich, Brasilien und dem Libanon – bei seinem Anwalt hinterlegen. Dieser zeigte sich dementsprechend von der Flucht überrascht, da sich nach seiner Aussage diese Dokumente noch im Safe der Kanzlei befinden.
Wie Ghosn dennoch die Flucht gelang, bleibt zunächst Spekulationsobjekt. Das Verkehrsministerium erklärte, dass ein privates Flugzeug am Sonntag einen Flugplatz in der Osaka-Präfektur ohne Personenkontrolle und Informationen über die Insassen Richtung Istanbul verlassen hat. Mit offenbar derselben Maschine ist der Flüchtling dann in Beirut gelandet.
Der Fernsehsender MTV Libanon berichtete unterdessen, dass Ghosn sich in einer Kiste versteckt habe, die normalerweise für den Transport von Musikinstrumenten genutzt werde. Seine Einreise sei jedoch legal gewesen, da er sich mit einem gültigen französischen Pass legitimiert habe, sagte der libanesische Staatsminister Salim Jreissati einer Regionalzeitung. Japan und Libanon unterhalten keinen Auslieferungsvertrag, so dass ein Gerichtsverfahren gegen Ghosn in Japan bis auf weiteres obsolet ist.