Politik Exodus der Oligarchen

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Die Stimmung gegenüber russischen Bürgern im britischen Königreich hat sich gedreht. Seit dem Giftanschlag auf den russischen Ex-Agenten Sergei Skripal und seine Tochter Julia gibt sich allen voran die Regierung ihrer Majestät kompromisslos. Premierministerin Theresa May macht Russland für das Attentat verantwortlich und sagte: „Für diese Leute, oder ihr Geld, gibt es keinen Platz in unserem Land.“ Was diese Kampfansage bedeutet, bekommen auch Londons Immobilienmakler zu spüren. So wie Gary Hersham, der noch vor kurzem jede Woche Dutzende Anrufe reicher Russen erhielt, die sich für Wohnraum in der höchsten Preisklasse interessierten. Jetzt bekommt Hersham zwar auch noch Anrufe, aber es sind zumeist Russen, die ihre Immobilien wieder verkaufen wollen. Entweder, weil sie das Geld brauchen, so Hersham, „oder weil sie das Land verlassen wollen“, bevor die britischen Behörden allzu lästige Fragen nach der Herkunft ihres Vermögens stellen. Es sieht ganz so aus, als ob ein Exodus der Oligarchen beginnt. Londongrad war einmal. Die britische Hauptstadt hatte sich diesen Spitznamen eingefangen, nachdem sich zwischen 2001 und 2016 die Anzahl der in Großbritannien ansässigen Russen mehr als vervierfachte und London zum bevorzugten Wohnort von superreichen Russen wurde. Das Königreich nahm die Oligarchen mit offenen Armen auf. Zwischen 2007 und 2015 kauften sich 3396 begüterte Russen ein sogenanntes Tier-1-Visum: Investierten sie mindestens eine Million Pfund in Großbritannien, bekamen sie ein befristetes Aufenthaltsrecht. Auch steuerlich gab es erhebliche Vergünstigungen. Der bekannteste unter den Oligarchen, die sich niederließen, ist Roman Abramowitsch, der 10,8 Milliarden Dollar schwer sein soll. Der Putin-Freund kaufte 2003 den Fußballclub Chelsea. Nun aber ist Abramowitschs Visum ausgelaufen. Für ein neues müsste er nachweisen, dass sein Geld sauber ist. Der Milliardär ist lieber umgezogen: nach Israel. Als Sohn jüdischer Eltern wurde er prompt eingebürgert. Der israelische Botschafter in Moskau verband sogleich eine fromme Hoffnung mit dem Neubürger: Vielleicht werde Abramowitsch den israelischen Fußball unterstützen, der sich in einem bedauernswerten Zustand befinde. Der FC Chelsea hingegen legte die Pläne für den Ausbau seines Stadions erstmal auf Eis.

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