US-Regierung
Ex-General Austin soll das Pentagon führen
Es ist noch keine vier Wochen her, da schien alles auf die erste Frau an der Spitze des Pentagon zuzulaufen. Ex-Staatssekretärin Michèle Flournoy schien so gut wie gesetzt. Nun ist es doch wieder ein Mann, der den Zuschlag bekommt, allerdings einer, der genauso für eine historische Premiere steht, wie das bei Flournoy der Fall gewesen wäre. Lloyd Austin, aufgewachsen im ländlichen Georgia, soll der erste schwarze Verteidigungsminister der Vereinigten Staaten werden.
Noch ist er freilich nicht am Ziel. Zum einen muss der Senat den pensionierten Viersternegeneral bestätigen. Zum anderen bedarf es einer Sonderregelung durch den Kongress: Eigentlich müssen seit dem Ausscheiden aus dem aktiven Dienst mindestens sieben Jahre vergangen sein, ehe ein Ex-Militär als Regierungsmitarbeiter infrage kommt. Austin hängte seine Uniform erst 2016 an den Nagel.
Balanceakt in der Partei
Biden hat den 67-jährigen Ex-General, der 41 Jahre im Militär war, nicht zuletzt deshalb auserkoren, weil er über viel Erfahrung in Krisengebieten verfügt. Die beiden waren 2011 gemeinsam beauftragt, die Modalitäten des Abzugs aus dem Irak auszuhandeln. Als Centcom-Chef war Austin danach Anführer im Kampf gegen die Terrormiliz IS. Austin sei ein Patriot, wie er im Buche steht, so Biden: „Seine vielen Stärken und seine intime Kenntnis des Verteidigungsministeriums passen einzigartig zu den Herausforderungen vor uns.“
Die Personalie zeigt auch, welchen Balanceakt der designierte Präsident bei der Kabinettsbildung zu leisten hat. Jeder Flügel der Partei, jede Gruppe seiner Wählerbasis stellt Ansprüche. Afroamerikaner haben Biden im Vorwahlkampf vor dem frühen Aus gerettet. Sein Vorwahlsieg in South Carolina war ein Wendepunkt. Biden hat es nicht vergessen. Gleichwohl muss er aushalten, dass Linke Austin kritisch sehen. Er ist kein Zivilist, und er sitzt sogar im Aufsichtsrat des Rüstungskonzerns Raytheon.