Katholische Kirche RHEINPFALZ Plus Artikel Erzbistum Köln: Weihbischof von Amt freigestellt

Kardinal Rainer Maria Woelki (links) und der von ihm beurlaubte Weihbischof Dominikus Schwaderlapp.
Kardinal Rainer Maria Woelki (links) und der von ihm beurlaubte Weihbischof Dominikus Schwaderlapp.

Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki hat am Donnerstag unmittelbar nach der Vorstellung des Missbrauchsgutachtens für das Erzbistum Köln erste Konsequenzen gezogen: Er entband Weihbischof Dominikus Schwaderlapp und den Leiter des Kirchengerichts, Günter Assenmacher, „vorläufig“ von ihren Aufgaben.

Das von der Kölner Anwaltskanzlei Gercke Wollschläger erstellte Gutachten belastet auch den Hamburger Erzbischof Stefan Heße, der vor seiner Berufung nach Hamburg Personalchef und Generalvikar in Köln war. Heße hat am Donnerstagabend dem Papst seinen Amtsverzicht angeboten. Zahlreiche Pflichtverletzungen im Umgang mit Missbrauchsfällen attestierten die Juristen auch den verstorbenen Erzbischöfen und Kardinälen Joseph Höffner und Joachim Meisner. Auf das Konto des 2017 verstorbenen Kölner Kardinals geht ein Drittel aller Verstöße gegen das Kirchenrecht, nämlich 24. In keinem Fall attestierten die Gutachter den Verantwortlichen Strafvereitelung im strafrechtlichen Sinn.

Kardinal Woelki entlastet

Den amtierenden Kölner Erzbischof Rainer Maria Woelki entlastet das Gutachten. Es seien keine Pflichtverstöße bei Woelki feststellbar gewesen, sagte der Strafrechtler Björn Gercke. Und er verwies auf das von Woelki bislang unter Verschluss gehaltene erste Gutachten einer Münchner Kanzlei. Dieses sei zu derselben Einschätzung gekommen.

Der am Donnerstag freigestellte Weihbischof Schwaderlapp (53) war früher Generalvikar des Erzbistums und soll sich acht Pflichtverletzungen schuldig gemacht haben. Der Weihbischof teilte mit, dass er Papst Franziskus seinen Amtsverzicht angeboten habe.

75 Pflichtverletzungen von acht Amtsträgern

Auftrag des 800 Seiten umfassenden Gutachtens war es, den Umgang des Erzbistums mit Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs zu untersuchen, vor allem wie sich die Bistumsleitung verhalten hat. Die Kölner Kanzlei hat in 24 der 236 ausgewerteten Aktenvorgänge 75 Pflichtverletzungen von acht leitenden Amtsträgern festgestellt, von denen zwei schon verstorben sind.

Opfer mehrheitlich Jungen

Mit seinem Team wertete Gercke die Kirchenakten von 1975 bis 2018 aus. Die Opfer waren mehrheitlich Jungen. Bei 63 Prozent der Beschuldigten handele es sich um Priester. Die Anzahl der Opfer beläuft sich auf 314. In knapp 32 Prozent der Fälle habe es sich um sexuellen Missbrauch gehandelt, in 15 Prozent um schweren sexuellen Missbrauch.

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