Politik Eritrea: Annäherung an bisherigen Feind Äthiopien

Äthiopiens Premier Abiy Ahmed wurde in Eritrea freundlich empfangen.
Äthiopiens Premier Abiy Ahmed wurde in Eritrea freundlich empfangen.

Von einer derartigen Begrüßung hätten seine Vorgänger nicht einmal träumen können. Als Äthiopiens Regierungschef Abiy Ahmed gestern zu einem überraschenden Besuch im Nachbarstaat Eritrea eintraf, wehten ihm Banner mit der Aufschrift „Willkommen, lieber Bruder“ entgegen.

Auf dem Weg vom Flughafen Asmaras winkten dem Premierminister Tausende Eritreer mit äthiopischen Fähnlein zu. Und im Präsidentenpalast wurde er von seinem Amtskollegen Isaias Afeworki umarmt, der Äthiopien noch bis vor Kurzem voller Hass gegenüberstand. Zwei Jahrzehnte lang herrschte zwischen den Bruderstaaten Eiszeit, die nach einem 80.000 Opfer fordernden Krieg ausgebrochen war: Hunderttausende von Eritreern sind in den vergangenen 18 Jahren in Richtung Europa geflohen, weil sie der andauernden Mobilmachung in ihrer Heimat zu entkommen suchten. Das alles könnte nun bald Geschichte sein. Das historische Treffen war möglich geworden, nachdem der 41-jährige Abiy Ahmed einen radikalen Politikwandel des mit über 100 Millionen Einwohnern zweitbevölkerungsreichsten afrikanischen Staats in die Wege geleitet hatte. Im Juni kündigte der seit April regierende Premierminister an, den internationalen Schiedsspruch anzuerkennen, der ein umstrittenes Grenzgebiet um das Städtchen Badme bereits 2002 Eritrea zuerkannt hatte. Trotzdem hielt das äthiopische Militär die Region in den folgenden 16 Jahren besetzt. Aus Furcht vor einem neuen Krieg verlängerte Asmara die Wehrpflicht für junge Eritreer auf unbegrenzte Zeit, was viele zur Flucht bewogen hat. Nach UN-Angaben verließen monatlich bis zu 4000 Eritreer ihre Heimat. Abiy Ahmeds überraschendes Zugeständnis folgte der Besuch einer eritreischen Delegation Ende Juni in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba, bei dem das gestrige Gipfeltreffen offenbar vorbereitet wurde. Obwohl der Abzug äthiopischer Truppen aus Badme noch immer nicht erfolgt ist, zweifelt die eritreische Regierung nicht an der Ernsthaftigkeit Addis Abebas: „Dieses Gipfeltreffen kündigt eine neue Ära von Frieden und Zusammenarbeit an“, gab Eritreas Außenminister Yemane Gebrmeskel über Twitter bekannt. Die Ende der 90er Jahre abgebrochenen diplomatischen Beziehungen wollen beide Länder auch wieder aufnehmen.

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