Politik Einreisestopp für Anne Frank

Anne Frank wurde nur 14 Jahre alt. Sie starb im KZ.
Anne Frank wurde nur 14 Jahre alt. Sie starb im KZ.

Das Haus in der Amsterdamer Prinsengracht besuchen alljährlich mehr als eine Million Menschen. Dort hielt sich Anne Frank mit ihrer Familie versteckt: gut zwei Jahre lang – von Juli 1942 bis zu ihrer Deportation durch die Nationalsozialisten im August 1944. Das jüdische Mädchen, das kurz vor der Befreiung des Konzentrationslagers im Alter von 14 Jahren im KZ Bergen-Belsen an Typhus starb, schrieb in seinem Versteck Tagebuch. Dessen Veröffentlichung machte Anne unsterblich. Ihre Zeilen legen Zeugnis ab vom Leid der Juden in Europa. Forschungen des amerikanischen Holocaust Memorial Museums und des Amsterdamer Anne Frank Hauses haben nun zutage gebracht, dass die Familie Frank, die aus Frankfurt am Main stammte, schon früh vor den Nazis in die USA fliehen wollte. Allerdings seien sie – wie viele andere auch – an den strikten Einreisebestimmungen gescheitert, schreibt die britische Zeitung „Jewish News“. 1938 hatte Annes Vater Otto Frank im US-Konsulat Rotterdam einen Antrag gestellt. „Ich bin gezwungen, mich um Emigration zu kümmern, und soweit ich sehen kann, sind die USA das einzige Land, wohin wir gehen können“, schrieb er 1941 an seinen in den Staaten lebenden Freund Nathan Straus. Da war das US-Konsulat in Rotterdam samt der Anträge der Franks und vieler anderer bereits bei einem deutschen Luftangriff in Flammen aufgegangen. Zwei Jahre lang hatten die Papiere der Franks da schon im Konsulat gelegen. Die Bürokratie war umständlich und langsam, die Hürden für US-Visa waren extrem hoch. Einen zweiten Antrag konnten die Franks 1941 nicht mehr stellen. Die Nazis hatten schon alle US-Vertretungen in den von ihnen besetzten Ländern geschlossen. Dass ein solcher Antrag Erfolg gehabt hätte, ist zudem zweifelhaft. Die Einwandererquoten in den USA wurden auch nach den Pogromen gegen Juden in Deutschland nicht erhöht. Eine kürzlich entdeckte Gallup-Umfrage von 1939 ergab, dass 60 Prozent der Amerikaner sogar dagegen waren, 10.000 verfolgten jüdischen Kindern die Einreise zu gestatten. Im selben Jahr machte die monatelange Irrfahrt eines Schiffes mit 937 deutschen Juden an Bord Schlagzeilen, denen die Einreise in die USA verwehrt worden war. Als der Kapitän eine illegale Landung in Florida versuchte, machten Flugzeuge und Schiffe der US-Küstenwache Jagd auf die „St. Louis“. Schließlich erklärten sich Belgien, die Niederlande, Frankreich und Großbritannien bereit, die Menschen aufzunehmen. Nur ein Jahr später eroberte die Wehrmacht den Westen Europas. 254 Passagiere der „St. Louis“ fielen der Judenvernichtung zum Opfer.

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