IRan RHEINPFALZ Plus Artikel Eine Geisel der Iranischen Republik

Insassin an einer Nähmaschine im Gefängnis Evin in Teheran.
Insassin an einer Nähmaschine im Gefängnis Evin in Teheran.

Die im Iran inhaftierte deutsch-iranische Aktivistin Nahid Taghavi ist im berüchtigten Evin-Gefängnis von Teheran an Covid-19 erkrankt und schwebt nach Angaben ihrer Tochter in Lebensgefahr.

Nahid Taghavi, die unter Diabetes und Bluthochdruck leidet, sitzt seit dem vergangenen Herbst wegen angeblicher „Gefährdung der Sicherheit“ in Haft. Das iranische Regime will die Kölnerin wie rund ein Dutzend andere inhaftierte Doppelstaatler als Faustpfand benutzen, um den Westen zu politischen Zugeständnissen zu zwingen oder die Freilassung iranischer Agenten im Ausland zu erpressen. Diese Art der Geiselnahme hat sich für den Iran in der Vergangenheit mehrmals ausgezahlt.Die 66-Jährige lebt seit 1983 in Köln und besitzt seit 2003 neben dem iranischen auch den deutschen Pass. Die Architektin setzt sich für Menschen- und besonders für Frauenrechte im Iran ein. Während eines Besuches in Teheran wurde sie im vergangenen Oktober festgenommen. Der Prozess gegen sie vor einem Teheraner Gericht begann im Frühjahr.

„Ihr Leben ist in unmittelbarer Gefahr.“

Taghavis Tochter Mariam Claren berichtete vor wenigen Tagen von einem Covid-Ausbruch im Evin-Gefängnis. Ihre Mutter habe Symptome einer Infektion mit dem Corona-Virus und sei im Gefängnis in Quarantäne genommen worden. Am Mittwoch schrieb Claren auf Twitter, der Covid-Verdacht habe sich bestätigt. Ihrer Mutter gehe es sehr schlecht, erklärte Claren. Sie leide unter Fieber, Schüttelfrost und Gliederschmerzen. „Ihr Leben ist in unmittelbarer Gefahr.“ Die gesundheitliche Versorgung im Evin-Gefängnis sei eine Katastrophe.

Mehr als ein Dutzend Bürger westlicher Staaten – die meisten von ihnen Doppelstaatler – sitzen nach einer Zählung der Nachrichtenagentur AFP in iranischen Gefängnissen. Neben Taghavi sind noch drei weitere Deutsche betroffen. Einer von ihnen ist der Deutsch-Iraner Jamshid Sharmahd, der im vergangenen Jahr in Dubai von iranischen Agenten gefasst und nach Teheran verschleppt wurde. Die Justiz wirft ihm Terrorvergehen vor, was seine Familie zurückweist.

Kampf gegen angebliche Staatsfeinde

Dem Regime geht es bei den Inhaftierungen nicht nur um den Kampf gegen angebliche Staatsfeinde. „Die auffällige Häufung von Fällen, in denen Doppelstaatsangehörige ohne konkrete Tatvorwürfe inhaftiert werden, deutet darauf hin, dass durch sie Druck auf die betreffenden Regierungen ausgeübt werden soll“, erklärte Dieter Karg, Iran-Experte bei Amnesty International in Deutschland.

Politische Geiselnahmen haben in der Islamischen Republik Tradition. Kurz nach der Revolution von 1979 überrannten Anhänger von Revolutionsführer Ajatollah Khomeini die amerikanische Botschaft in Teheran und setzten mehr als 50 Botschaftsmitarbeiter fest. Die Geiseln kamen im Januar 1981 frei, nachdem die USA das Ende von Handelssanktionen gegen den Iran zugesagt hatten. Auch in der jüngeren Vergangenheit konnte der Iran die Inhaftierung von Ausländern erfolgreich nutzen. Im Herbst 2020 wurde die britisch-australische Akademikerin Kylie Moore-Gilbert nach zwei Jahren Haft im Austausch gegen drei iranische Agenten aus dem Gefängnis entlassen und durfte nach Hause zurückkehren.

Berlin bemüht sich um Taghavi

Zum Fall von Taghavi hieß es im Auswärtigen Amt, die Bundesregierung habe sich bereits „intensiv“ für die Gefangene eingesetzt und werde das weiter tun. Man bemühe sich um konsularischen Zugang zu Taghavi und um Mindeststandards bei den Haftbedingungen und im Gerichtsverfahren. Im Kontakt mit den iranischen Behörden gehe es zudem um Taghavis Gesundheit, „auch vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie“.

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