USA
Ein neuer nationaler Feiertag für ganz Amerika
In den USA gibt es Feiertage, die immer auch ein wenig den Rhythmus des Landes bestimmen. Am Memorial Day, dem letzten Montag im Mai, wird nicht nur der Kriegstoten gedacht, an dem Tag beginnt auch die Sommersaison, was man schon daran erkennt, dass überall die Freibäder öffnen. Der Labor Day, der erste Montag im September, erinnert nicht nur an die Kämpfe der Arbeiterbewegung, er steht auch für das gefühlte Ende des Sommers.
Dann gibt es da noch, klar, den 4. Juli als Nationalfeiertag. Am Thanksgiving Day im November geht es um die Pilgerväter und den Truthahn mit Preiselbeersoße im Kreise der Familie. Dann wären da noch Martin Luther King Day, Presidents’ Day, Columbus Day und Veterans’ Day. Nun kommt ein neuer weltlicher Feiertag hinzu, der 19. Juni, June Nineteenth. Dank des Faibles der Amerikaner für Abkürzungen wird er schlicht Juneteenth genannt. Am Donnerstag hat Präsident Joe Biden das entsprechende Gesetz unterzeichnet, nachdem erst kurz zuvor der neue Feiertag von beiden Kammern des Kongresses in seltener Eintracht verabschiedet worden war.
Am Ende war Texas dran
Zurück geht Juneteenth auf eines der letzten Kapitel des amerikanischen Bürgerkriegs. Am 19. Juni 1865 marschierten Truppen der Nordstaaten in Galveston ein, einer texanischen Küstenstadt am Golf von Mexiko. Ihr Kommandeur, Generalmajor Gordon Granger, gab Befehle, die versklavten Schwarzen in Texas, mehr als einer Viertelmillion Menschen, freizusetzen. Zwar hatte der Präsident Abraham Lincoln die Sklaven der Südstaaten bereits am 1. Januar 1863 für frei erklärt. Zwar hatten die Konföderierten des Südens bereits im April 1865 kapituliert, sodass durchgesetzt werden konnte, was Lincoln verfügte. Bis aber Grangers Soldaten Galveston erreichten, blieb in Texas alles beim Alten. Weil Sklavenbesitzer den Anschein erweckten, als hätte sich nichts geändert, erfuhren die Unterjochten erst mit zwei Monaten Verspätung von ihrer Befreiung.
Seither markiert der 19. Juni 1865 das tatsächliche Ende der Sklaverei, eine Wende, die das schwarze Amerika seit Langem feiert, während das weiße sie eher ignorierte. Joe Biden sagte dazu jetzt: „Große Nationen blenden ihre schmerzlichsten Kapitel nicht aus, sie stellen sich ihnen.“ Damit wird die Rassismusdebatte wohl kaum enden. Aber ein neuer Schritt ist getan, um sie voranzubringen.