Meinung RHEINPFALZ Plus Artikel Donald Trumps Fans: in der Niederlage heroisch vereint

Langes Warten auf ein Ergebnis: In Marietta, Georgia, zählt eine Beamtin von Cobb County Stimmzettel.
Langes Warten auf ein Ergebnis: In Marietta, Georgia, zählt eine Beamtin von Cobb County Stimmzettel.

Warum so viele Amerikaner an Donald Trumps Märchen vom Wahlbetrug glauben.

Wahlbetrugsvorwürfe haben eine lange Tradition in den USA. Denn es gab bei Urnengängen tatsächlich immer wieder Stimmenkauf und andere Betrügereien. Über die Machenschaften von William Tweed, Mitte des 19. Jahrhunderts Parteichef der Demokraten in New York City, lernt jeder High-School-Schüler.

Auch in der jüngeren Vergangenheit gab es hartnäckige Betrugsgerüchte. Viele US-Demokraten waren 2004 überzeugt, dass ihr Kandidat John Kerry nur deshalb gegen George W. Bush verlor, weil in Ohio elektronische Wahlmaschinen der Firma Diebold manipuliert waren. Insofern setzt Trump jetzt nur eine unschöne Tradition fort.

Und doch stellt seine pausenlos vorgetragene Behauptung, dies sei die korrupteste Wahl aller Zeiten gewesen, einen neuen Tiefpunkt dar. Was nach fast vier Jahren Lügenkultur im Weißen Haus auffällt: Seine Anhänger glauben ihm eigentlich alles. Drei Viertel der Wähler der US-Republikaner sind laut Umfragen überzeugt, dass es bei der jüngsten Wahl Betrug gegeben hat. Zum Vergleich: 2004 waren es unter Demokraten-Wählern etwa 30 Prozent, die Schiebung witterten.

Endlich amtliche Ergebnisse

Insofern sind auch die Ergebnisse einer Umfrage der „Washington Post“ unter allen Abgeordneten und Senatoren der Republikaner wenig überraschend. Nur 27 der 249 Amtsträger sagen, Joe Biden habe die Präsidentschaftswahl gewonnen. Es gibt aber auch Hoffnung. Nur zwei behaupteten, Trump sei der Sieger. 220 bevorzugten es, gar nicht zu antworten oder sich zurückzuhalten und zu sagen, das Ergebnis sei eben unklar.

An diesem Dienstag nun ist der erste Tag der Wahrheit. Alle US-Bundesstaaten müssen ihre Auszählungen amtlich beurkundet haben. Dies bereitet die entscheidende Etappe am 14. Dezember vor: Die Delegierten für das Electoral College stimmen endlich ab. Am 6. Januar dann wird im Kongress ausgezählt – und Biden abschließend gewählt sein.

Aber Trump wird auch das nicht scheren. Er will Bidens Amtseinführung am 20. Januar nicht beiwohnen und nach einem letzten Flug mit der Air Force One in Florida auftreten. Wegen der Corona-Einschränkungen, die Biden sich auferlegen will, könnte Trump sogar die größere Kulisse haben. Ist das kindisch? Ja. Aber es könnte Trumps Fans ähnlich zusammenschweißen wie die deutsche Fußballnation 1966, als im Londoner WM-Finale ein Tor fiel, das keines sein durfte.

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