Politik Digitale Entgiftung im Funkloch

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Brandenburg ist berüchtigt für seine vielen Funklöcher. Das bringt nicht nur alltäglichen Ärger. In Notfällen hat fehlender Mobilfunkempfang mitunter lebensgefährliche Folgen, wenn bei einem Verkehrsunfall kein Rettungsruf abgesetzt werden kann und wertvolle Zeit verstreicht, weil erst andere Fahrer angehalten werden müssen, die dann irgendwann wieder Empfang haben. Laut Statistik steht das Land mit 93 Prozent Mobilfunkabdeckung vergleichsweise gut da. Mit dem subjektiven Empfinden vieler Brandenburger ist das jedoch nicht in Einklang zu bringen. In Afrika funktioniere das Mobilfunknetz heutzutage besser als in der Mark, sagte kürzlich Iris Schülzke, Landtagsabgeordnete der Freien Wähler, die in engem Kontakt mit Entwicklungshelfern steht. In ihrem Landkreis Elbe-Elster gebe es inzwischen sogar Funklöcher, die es früher nicht gab. Dierk Homeyer wollte es genauer wissen. Vor zehn Tagen schaltete der wirtschaftspolitische Sprecher der CDU-Oppositon die Internetseite www.funkloch-brandenburg.de frei, auf der Bürger des Lands Funklöcher eintragen können. Das erstaunliche Ergebnis: Bisher wurden über 18.000 Funklöcher in Brandenburg gemeldet. Mal ist der Empfang nur kurzzeitig gestört, mal kilometerweit gar nicht möglich. Die Landesregierung von SPD und Linken rede das Problem klein, kritisiert Homeyer. Allerdings kann die Regierung in Potsdam bestenfalls appellieren, mahnen und fördern, aber keine modernen Masten aufstellen. Für die Telekommunikationskonzerne lohnt sich der Netzausbau nicht überall, weil es in der dünn besiedelten Mark nur wenige Kunden gibt. „Vollversorgung ist nicht das Ziel unserer Strategie“, so Philippe Gröschel von Telefonica Deutschland bei einer Anhörung im Landtag. Die Telekom erklärt die zahlreichen Netzlücken auch mit den großen Naturschutzgebieten, in denen oft die Baugenehmigung für Funkmasten verweigert wird. Während manche Geschäftsleute am mangelnden Fortschritt verzweifeln, bieten Landpensionen und Archehöfe inzwischen einen „Ausflug ins Funkloch“ für Großstädter an. Zur Entschleunigung oder um Smartphone- und Internetsucht in den Griff zu kriegen, liegt ein Urlaub ohne Handy mit Kanu- oder Planwagentour oder Eselswanderung im Trend. Wohl kein anderes Bundesland bietet sich für die digitale Entgiftung besser an als das funklochüberreiche Brandenburg.

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