Iran
Die Sündenböcke der Mullahs in der Coronakrise
Der Iran gehört zu den am stärksten vom Coronavirus betroffenen Ländern weltweit. Die Exil-Opposition prangert an: Die wahren Statistiken würden geheim gehalten, das Regime in Teheran habe auch genug Geld, um die Krise anzugehen, horte es aber für sich selbst.Am vergangenen Sonntag wandte sich Irans Oberster Führer, Ajatollah Ali Khamenei an die Perser. Zum Neujahrsfest, das sonst mit großen Feiern begangen wird, trug das Land diesmal Trauer.
Laut offiziellen Statistiken waren schon 2000 Menschen dem Coronavirus zum Opfer gefallen. Khamenei aber übte sich in Parolen wie: „Wenn wir nicht faul oder engstirnig sind, können wir den Höhepunkt des islamischen Regierens erreichen.“ Er schoss auch rhetorische Giftpfeile gen Amerika: „Der bösartigste Feind ist die US-Regierung.“ Der Ajatollah suggerierte, die USA seien vielleicht verantwortlich für das Coronavirus. Auf jeden Fall sorgten die scharfen US-Sanktionen gegen den Iran dafür, dass die Iraner von Arzneien und medizinischem Gerät abgeschnitten seien.
Opposition: Fallzahlen vertuscht
„Alles Propaganda“, sagt Mohammed Mohaddessin von der exiliranischen Gruppierung der Volksmudschahedin (PMOI MEK) in Paris. Er betont, die US-Sanktionen nähmen humanitäres Gerät ausdrücklich aus, zudem habe doch das Regime selbst erklärt, es habe alles im Griff. In der Tat: Noch am 25. Februar erklärte Präsident Hassan Ruhani, es gebe keinen Mangel im Gesundheitssystem.
Dem Exiloppositionellen Mohammed Mohaddessin zufolge ist aber auch das eine Lüge gewesen. Ruhanis Behauptung gelte zwar für Krankenhäuser der Revolutionsgarden, aber mitnichten landesweit. Tatsache sei, dass die Opferzahlen viel höher lägen als offiziell verlautbart: 11.500 Tote gebe es bisher verteilt auf 222 Orte des Landes; also mehr als fünf Mal so viele, wie am Mittwoch von der Regierung gemeldet wurde.
Hohe Offizielle infiziert
„Die Lage ist katastrophal und wird täglich schlimmer“, so Mohaddessin. Um das Ausmaß zu vertuschen, würden Leichenscheine mit falschen Todesursachen ausgestellt. Die Leichenhallen seien längst völlig überlastet. Auch seien übrigens etwa 100 hohe Offizielle infiziert, zudem Dutzende Mitglieder der geistlichen Führung. Fest steht, kein anderes Land im Nahen und Mittleren Osten ist so betroffen. Mutmaßlich, weil zu spät reagiert wurde. Die Parlamentswahlen am 21. Februar sollten erst über die Bühne gehen. Am 22. dann wurde der erste Coronafall offiziell gemeldet.