Syrienkrieg
Die Russen haben in Syrien nicht nur auf Rebellen gezielt
Der Angriff russischer Kampfjets auf ein Ausbildungslager der Gruppe Failak al-Sham nur wenige Kilometer von der türkischen Grenze entfernt war ein schwerer Schlag gegen die Rebellen in der syrischen Provinz Idlib. Russland und die Türkei arbeiten seit Jahren in Syrien zusammen, obwohl Moskau den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad unterstützt und Ankara die Rebellen, die gegen Assad kämpfen.
Die Absprachen nützten bisher beiden Seiten: Russland konnte das Nato-Mitgliedsland Türkei aus dem westlichen Bündnis „herauslösen“, und die Türkei konnte ihre eigenen Interessen in Syrien verfolgen. Eine Offensive Assads in Idlib, der letzten Rebellenbastion in Syrien nach fast zehn Jahren Krieg, belastete jedoch bereits Ende vergangenen Jahres das russisch-türkische Bündnis.
Wieder mehr Angriffe
In diesem Frühjahr einigten sich Kremlchef Wladimir Putin und der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan auf einen Waffenstillstand zwischen ihren Verbündeten in Syrien, mit Hilfe dessen die Lage in Idlib stabilisiert werden sollte. In jüngster Zeit fliegen russische und syrische Kampfflugzeuge jedoch wieder mehr Angriffe in der Gegend. Assad lässt keinen Zweifel daran, dass er die Provinz nahe der türkischen Grenze von den Rebellen zurückerobern will – am Montag ernannte er zum ersten Mal seit Jahren einen Gouverneur für Idlib.
Der russische Luftangriff auf Failak al-Sham war die dramatischste Eskalation in Idlib seit Monaten. Diese Miliz ist ein wichtiger Partner der Türkei in der Provinz; sie hatte in den vergangenen Jahren an der Seite der türkischen Armee an Militärinterventionen Ankaras in Nord-Syrien teilgenommen.
Position in Frage gestellt
Mit dem Angriff will Moskau der Türkei indes auch mit Blick auf den Konflikt in Bergkarabach die Grenzen aufzeigen. Unter Erdogan hat sich die Türkei in den Konflikt im Kaukasus eingeschaltet – und damit die Position Russlands als Ordnungsmacht im Kaukasus in Frage gestellt. Erst vor wenigen Tagen hatte Erdogan ein Mitspracherecht der Türkei in Karabach eingefordert, was von Russland abgelehnt wurde.
Mehrere Experten sind daher der Meinung: Der Krieg in Karabach war der Auslöser für den Angriff in Idlib.