Meinung RHEINPFALZ Plus Artikel Die Heizungsfrage wird zum Politikum

Auch wer die Gasheizung zuhause herunterregelt, kann bares Geld sparen. Doch was tun, wenn die Therme komplett ersetzt werden mu
Auch wer die Gasheizung zuhause herunterregelt, kann bares Geld sparen. Doch was tun, wenn die Therme komplett ersetzt werden muss?

Ein scheinbar einfaches Problem hat das Potenzial, Wohnungsbesitzer um den Schlaf zu bringen und Gesellschaften zu spalten: Wie sollen wir heizen und warmes Wasser gewinnen?

Nirgends verbrauchen Menschen im Alltag so viel Energie wie beim Heizen, Kochen und Waschen. Zumal in den reichen Industriestaaten, zu denen Deutschland gehört. Zwar wird in der Bundesrepublik schon seit Jahrzehnten im Zuge des Klimaschutzes darüber diskutiert, wie sich Energie einsparen lässt. Doch im Wärmesektor ist (neben dem Verkehrssektor) bislang viel zu wenig passiert. Das Problem sind die älteren Behausungen, die den Löwenanteil des Bestands stellen.

Nun jedoch ist das Thema mit seltener Brutalität auf die Tagesordnung gekommen. Nicht etwa, weil Fluten oder Dürren auch noch dem letzten Zweifler klargemacht hätten, dass es den vom Menschen vorangetriebenen Klimawandel wirklich gibt. Nein, der Treiber ist der Ukraine-Krieg und das Verhältnis zu Russland. Und so hat jeder, der eine neue Heizung (nebst Warmwasser) benötigt, nun ein Entscheidungsproblem: Welche Quelle soll es werden? Probleme haben natürlich auch Menschen, die ihre alte Heizung weiterlaufen lassen wollen und die nun viel höhere Kosten einkalkulieren müssen.

Russland lenkt Gasströme um

In wohl keinem anderen Bereich sind internationale Entwicklungen und lokale Auswirkungen so eng verquickt wie im Energiebereich. Nehmen wir nur einmal die Gasfrage (mit der natürlich auch die Stromfrage verbunden ist). Es ist absehbar, dass Europa und vor allem Deutschland nie wieder so viel Erdgas aus Russland beziehen werden wie früher. Moskau wird alles daran setzen, seine Gasströme über den Bau neuer Pipelines gen Osten, insbesondere nach China, umzulenken. Werden die Europäer im Gegenzug erfolgreich neue Partnerschaften schmieden, um (ziemlich teures) Flüssiggas beispielsweise aus afrikanischen Ländern wie Senegal zu importieren? Wird Flüssiggas der Ersatz für russisches Pipeline-Gas? Werden die Europäer vielleicht sogar auf den Iran zugehen, der die weltweit zweitgrößten Erdgasreserven besitzt, wegen seines Atomprogramms aber geächtet ist?

Dies ist nur eine kleine Auswahl von Fragen, die das Zeug haben, die Welt zu verändern. Die Antworten darauf sind offen. Fakt ist, dass der Staat vermehrt Einfluss auf den Energiemarkt ausübt – nicht nur in Deutschland, wo ein Gesetzespaket nach dem anderen geschnürt wird. Werden Staaten das nur in der jetzigen Krise machen? Die Wette gilt, dass das noch länger so geht. Denn anders lässt sich der Schutz des Klimas wohl nicht durchsetzen.

Probleme bei Holzheizungen

Für Menschen, die sich den Kopf zerbrechen über eine neue Heizung, kann das nur heißen: Wenn sie allein auf Techniken setzen, bei denen etwas verbrannt wird, kommen sie in die Bredouille. Schwierigkeiten sind auch bei Holz absehbar. Denn immer klarer wird, dass da in der Vergangenheit einiges falsch eingeschätzt wurde. Es dauert eben 20 bis 50 Jahre, bis Bäume nachwachsen. Holzpellets, die aus Holzresten stammen, schneiden in puncto Nachhaltigkeit besser ab. Doch die explodierende Nachfrage kann auch hier Probleme schaffen.

Auf dem Energiemarkt ist derzeit alles in Bewegung – dazu gibt es ein Kuddelmuddel an Informationen und Ansichten. Manche Parteien und Gruppierungen nutzen die unübersichtliche Gemengelage für ihre Zwecke aus. Das zeigt sich auch an den neu aufgelegten „Montagsdemonstrationen“. Die Gefahr einer weiteren Polarisierung von Gesellschaften, nicht nur der deutschen, scheint möglich. Aufgabe der Regierungen, insbesondere in Europa, ist es daher nicht nur, die Weichen für angepasste Energie-Technologien zu stellen und neue Allianzen zu schmieden. Sie müssen auch den sozialen Frieden im eigenen Land hinbekommen. Sonst ist alles nichts.

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