Politik
Deutsch-amerikanisches Verhältnis: Biden kittet die Beziehungen
Gerade einmal 18 Prozent der befragten Deutschen hatten die Beziehungen zu den USA im Jahr 2020 als gut bezeichnet. Nach dem Amtsantritt von Joe Biden im Weißen Haus war der Wert im vorigen Jahr bereits auf 71 Prozent geschossen. Mit 82 Prozent wurde bei der aktuellen Umfrage ein Rekordwert erreicht. Deutsche und Amerikaner befinden sich damit im Gleichklang: Auch 81 Prozent der US-Bürger halten das Verhältnis für gut.
Doch diese positive Grundstimmung kann Differenzen in Sachfragen nicht überdecken. Beim Umweltschutz und der China-Politik gibt es deutlich unterschiedliche Sichtweisen auf beiden Seiten des Atlantiks, wie das renommierte amerikanische Meinungsforschungsinstitut Pew und die Körber-Stiftung in einer gemeinsamen Umfrage herausgefunden haben.
Nationale Sicherheit wird unterschiedlich eingeschätzt
Zwar sehen jeweils mehr als zwei Drittel der Bürger das andere Land als Partner beim Schutz der europäischen Sicherheit. Doch eine Mehrheit von 54 Prozent der Deutschen hält die USA nicht für einen Verbündeten beim Umweltschutz. Bei jüngeren Bundesbürgern sind die Zweifel besonders groß. Umgekehrt glauben 40 Prozent der Amerikaner, dass Deutschland und die USA in der China-Politik nicht an einem Strang ziehen.
Hintergrund dürfte die bemerkenswert unterschiedliche Einschätzung der nationalen Sicherheit sein. Bei der Befragung unter 1088 Erwachsenen in Deutschland und 19.794 Erwachsenen in den USA schätzten 64 Prozent der Amerikaner die militärische Bedrohung durch China als groß ein. In Deutschland waren es gerade einmal sieben Prozent. Nicht ganz so gravierend, aber angesichts der Ukraine-Krise durchaus erstaunlich ist die unterschiedliche Einschätzung der Gefahren, die von Russland ausgehen.
22 Prozent der Deutschen halten die militärische Bedrohung durch Russland für groß. In USA ist der Wert mit 66 Prozent dreimal so hoch.
Brüche in der Wertschätzung
Während eine relative Mehrheit der Deutschen die USA als wichtigsten außenpolitischen Partner (36 Prozent) vor Frankreich (32 Prozent) sieht, spielt die Bundesrepublik in der Sicht der Amerikaner eher eine untergeordnete Rolle. In der Rangfolge der wichtigsten Partner rangiert sie mit drei Prozent deutlich hinter Großbritannien (24 Prozent), China, Israel und Kanada.
Eine in der vergangenen Woche veröffentlichte, differenziertere Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov für das Wirtschaftsmagazin „Economist“ zeigt denn auch deutliche Brüche in der Wertschätzung der Amerikaner für „good old Germany“. Zwar nennen auch hier zwei Drittel der Befragten Deutschland einen „Freund“ oder „Verbündeten“. Doch weichen die Urteile je nach Alter und politischer Überzeugung deutlich voneinander ab. Von den 18- bis 29-Jährigen stimmen nur noch 52 Prozent dieser Einschätzung zu: Beachtliche 17 Prozent der jüngeren Amerikaner halten Deutschland für einen Gegner oder gar Feind.