Russland RHEINPFALZ Plus Artikel Der Neue im Weißen Haus gilt als Feind

Seine Glückwünsche an Biden standen am Sonntag noch aus: Russlands Präsident Wladimir Putin.
Seine Glückwünsche an Biden standen am Sonntag noch aus: Russlands Präsident Wladimir Putin.

Russland leidet mit Donald Trump. Von Wahlsieger Joe Biden erwartet man in Moskau kaum Gutes.

Es sei eine Wahl zwischen Mensch und Roboter gewesen. „Donald Trump lügt wie ein Mensch, irrt wie ein Mensch, hat das Privatleben eines Menschen“ – auch der liberale Moskauer Politologe Stanislaw Belkowski fühlt mit dem Verlierer. „Josef Biden aber ist eher ein Roboter.“ Deshalb habe man ihn auch als Präsidentschaftskandidat aufgestellt, „ein zuverlässiges Gerät und kein unvorhersehbarer Mensch wie Trump“.

Fast ganz Russland leidet mit Trump, will seine Niederlage so wenig eingestehen wie der noch amtierende US-Präsident selbst. Wie er verweisen kremlnahe Medien seit Tagen auf Wahlmanipulationen und warnen, Amerika werde im Bürgerkrieg versinken. Ein Sprecher der Russisch-Orthodoxen Kirche rief schon dazu auf, die USA unter UN-Verwaltung zu stellen, damit ihre Atomwaffen nicht in die falschen Hände gerieten. Und der nationalistische Publizist Anatoli Wasserman sieht Trump als siegreichen Kläger vor dem Höchsten Gericht der USA. Dass sei „voll“ mit Trump-Anhängern, drei habe er persönlich ernannt, sie würden die Massenfälschungen nicht durchgehen lassen. „Trump hat beste Chancen, nach einer Neuauszählung weitere vier Jahre Staatschef zu bleiben.“

Kommentatoren: Biden bereits jetzt vergreist

Mit dem künftigen Präsidenten Joe Biden befasst sich Moskau ungern. Bis Redaktionsschluss gab es am Sonntag noch keine Glückwünsche von Präsident Wladimir Putin. TV-Kommentatoren sagen, der 77-jährige Demokrat Biden sei schon jetzt vergreist, der russische Senator Andrei Klimow erwartet von ihm verstärkte antirussische Rhetorik mit Akzent auf personelle Sanktionen, sein Kollege Alexei Puschkow eine Intensivierung des Kalten Krieges. Im Gegensatz zu Trump gilt Biden in Russland als offener Feind. „Sie (die Russen) wissen, dass ich sie kenne, und sie kennen mich“, zitiert ihn die Zeitung Moskowski Komsomoljez.

Experten erwarten rationalere Rüstungspolitik

Biden, das gilt in Moskau als sicher, will das Verhältnis der USA zur übrigen Nato verbessern, was Russlands neuen Einfluss in Europa infrage stellt. Außerdem möchte er im Gegensatz zu Trump auf erneuerbare Energien setzen, für die russische Ölindustrie keine gute Nachricht.

Andererseits erwarten Militärexperten von Biden eine rationalere Rüstungspolitik, mit ihm sei das Start- II-Abkommen leichter zu verlängern als mit Trump. Und der Wirtschaftsanalytiker Jewgeni Malychin sagte dem Portal forbes.ru, Bidens Gefährlichkeit für Russland werde stark übertrieben. „Er wird auch gegen Deutschland viel ausgewogenere Politik machen.“ Und deshalb werde er die deutsch-russische Ostseepipeline Nordstream 2 keineswegs so grimmig bekämpfen wie Donald Trump.

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