Politik
Der Kronprinz des Dschihad
Der „Kronprinz des Dschihad“ lebte größtenteils im Verborgenen, und auch sein Tod gibt Rätsel auf. Mehrere Medien meldeten am Donnerstag unter Berufung auf US-Regierungsvertreter, amerikanische Geheimdienste hätten jetzt Beweise dafür, dass Hamza Bin Laden, Sohn und designierter Nachfolger des früheren Al-Qaida-Chefs Osama Bin Laden, bei einem Angriff getötet wurde.
Wo, wann und wie der etwa 30-jährige Hamza Bin Laden starb, blieb zunächst ungeklärt. Fest steht jedoch, dass sein Tod ein schwerer Rückschlag für die Terrororganisation wäre. Sein Vater Osama Bin Laden hatte Hamza schon lange vor dem Angriff der Amerikaner auf sein Haus im pakistanischen Abbottabad im Mai 2011 als künftigen Anführer von Al-Qaida auserkoren und andernorts untergebracht.
In Abbottabad wurden Osama Bin Laden selbst, mehrere Begleiter und sein Sohn Khalid getötet. Unter den Dokumenten, die von den US-Soldaten in Abbottabad beschlagnahmt wurden, war ein Video, das die Hochzeit des damals etwa 22-jährigen Hamza mit der Tochter des Attentäters Mohammed Atta in Iran zeigte. Zeitweise lebte Hamza Bin Laden laut Medienberichten unter Hausarrest in Iran, später soll er ins Grenzgebiet zwischen Pakistan und Afghanistan gezogen sein. Im März setzten die USA ein Kopfgeld von einer Million Dollar auf den „Kronprinzen des Dschihad“ aus, wie Hamza Bin Laden in Medienberichten genannt wurde.
Angst der USA vor neu erstarktem Terrornetzwerk
Möglicherweise war der junge Bin Laden da schon tot, nur konnten sich die USA dessen bisher nicht sicher sein. Irgendwann zwischen Anfang 2017 und dem Beginn dieses Jahres sei Hamza Bin Laden bei einem Angriff getötet worden, an dem die USA beteiligt waren, meldete die „New York Times“. Seit einigen Monaten seien die bis dahin regelmäßigen Botschaften und Aufrufe des Dschihadisten an die Anhänger von Al-Qaida verstummt.
Auch der Fernsehsender NBC und die Nachrichtenagentur Reuters berichteten unter Berufung auf US-Gewährsleute, der „Kronprinz“ sei tot. Präsident Donald Trump wollte sich nicht dazu äußern. Von Al-Qaida gab es keine Stellungnahme.
Die USA befürchten ein Wiedererstarken von Al-Qaida zu einer Zeit, in der Washington mit den Taliban über ein Ende des Konfliktes in Afghanistan verhandelt, was zu einem Rückzug der US-Truppen vom Hindukusch nach 17-jährigem Kriegseinsatz führen soll. Osama Bin Laden konnte seinerzeit unter dem Schutz der Taliban in Afghanistan die Anschläge vom 11. September 2001 vorbereiten. Nun will Washington ein Comeback der Bin Ladens verhindern.