Politik Der arabische Fußball-Krieg
Sport verbindet? Von wegen. Auf der arabischen Halbinsel treibt der Fußball die Nationen gerade während der Weltmeisterschaft auseinander. Es hagelt Schuldzuweisungen und bittere Kritik. Dabei geht es nicht um den sportlichen Misserfolg der vier arabischen Teams, die in Russland vertreten waren und nach der Gruppenphase enttäuscht die Koffer packen müssen. Der arabische Fußball-Krieg zwischen Saudi-Arabien und Katar dreht sich um die Fernsehübertragung von WM-Spielen – und ist eine Fortsetzung der politischen Spannungen zwischen den beiden Ländern, die vor einem Jahr eskaliert sind. Riad wirft dem kleinen, aber reichen Katar eine Zusammenarbeit mit dem regionalen Rivalen Iran und die Unterstützung islamischer Extremisten vor. Seit einem Jahr bestrafen die Regierungen Saudi-Arabiens, Ägyptens, der Vereinigten Arabischen Emirate und Bahrains das Emirat Katar deshalb mit Wirtschaftsboykott, Grenzschließung und politischer Isolation. Die Unversöhnlichkeit des Streits spiegelt sich in der Auseinandersetzung um den Fußball. Das katarische Unternehmen beIN hatte sich die Nahost-Übertragungsrechte für die russische WM gesichert, wurde dann aber wie andere Firmen aus Katar zum Opfer des saudischen Wirtschaftsembargos. Dennoch war die beIN-Übertragung im Nachbarland zu sehen, weil ein Piratensender das Satellitensignal anzapfte – natürlich, ohne Geld nach Katar zu überweisen. Die um Millioneneinnahmen gebrachte Firma sieht die Schuldigen bei den saudischen Behörden und rief die Fifa zur Hilfe. Nicht nur die Kataris wenden sich an den Weltfußballverband. Saudi-Arabien will in den Kommentaren der katarischen beIN-Moderatoren bei der 0:5-Niederlage von Saudi-Arabien gegen Russland viel Gehässiges und Beleidigendes gehört haben. Der erboste Sportminister Turki al-Sheikh sieht darin einen Verstoß gegen Fifa-Regeln, die politische Äußerungen während Fußball-Übertragungen verbieten. Der Krach könnte nur ein kleines Vorspiel der Spannungen sein, die bei der nächsten WM im Jahr 2022 in Katar drohen. Sollte der politische Streit dann immer noch andauern und die Grenzen weiterhin geschlossen sein, könnte ausgerechnet die erste Fußball-Weltmeisterschaft auf arabischem Boden ohne Zuschauer aus Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten stattfinden.