Kanada-Tourismus RHEINPFALZ Plus Artikel Das Alaska-Schlupfloch

Kanadier, hier in Vancouver, sorgen sich, dass die hohen Covid-Infektionszahlen in den USA auch ihr Land in Gefahr bringen.
Kanadier, hier in Vancouver, sorgen sich, dass die hohen Covid-Infektionszahlen in den USA auch ihr Land in Gefahr bringen.

Wie Amerikaner trotz der Grenzsperre zu Kanada im nördlichen Nachbarland Urlaub machen.

Frech gewinnt. Eine Devise, die sich eine ganze Reihe von Amerikanern zu eigen macht, um in Kanada Urlaub zu machen. Trotz Pandemie, trotz Reisesperre. Aber der Reihe nach.

Mitte März schlossen Kanada und die USA ihre rund 8000 Kilometer lange Grenze für alle nicht unbedingt notwendigen Grenzübertritte. Die hierzu erlassene Verordnung wurde erst vor wenigen Tagen bis zum 21. Juli verlängert. Das hinderte aber ein halbes Dutzend US-Bürger nicht daran, den Banff-Nationalpark in der kanadischen Provinz Alberta zu besuchen. Sie grenzt an den US-Staat Montana. Im Banff-Nationalpark wurden aber Autos mit Kennzeichen aus noch ganz anderen US-Bundesstaaten von der Polizei registriert: unter anderem aus Nevada und Colorado. In Restaurants in der Stadt Banff wurden zudem Touristen aus Texas gesichtet.

Der Besuch aus dem Nachbarland erzürnt die Kanadier. Auf Facebook schilderte eine Kanadierin, wie die US-Bürger sich danebenbenahmen: „Jetzt laufen sie in Banff herum, keine Masken, ohne Abstand, ohne 14 Tage Quarantäne. Texas hat steigende Covid-19-Zahlen. Es ist alarmierend.“ In anderen Interneteinträgen ist die Rede von Texanern, die „Witze darüber machen, wie leicht es ist, nach Banff zu kommen“.

Bitte durchfahren

Und in der Tat, es ist einfacher, als man angesichts der offiziellen Reisesperre denkt. Die Amerikaner nutzten eine Ausnahmeregelung in den Schutzverordnungen Kanadas: US-Amerikaner, die aus den 48 Bundesstaaten südlich der Grenze zu Kanada kommen und nach Alaska reisen wollen, weil sie dort einen Wohnsitz haben oder arbeiten, dürfen ins nördliche Nachbarland sehr wohl einreisen. Die Auflage lautet nur, sie sollten auf direktem Weg nach Alaska durchfahren und keine unnötigen Stopps machen.

Daran hielten sich aber offensichtlich die Besucher im Nationalpark Banff nicht. Die kanadische Bundespolizei RCMP reagierte mit Strafbescheiden über jeweils 1200 kanadische Dollar.

An die Adresse „unserer amerikanischen Freunde und Nachbarn“ sagte die stellvertretende kanadische Premierministerin Chrystia Freeland am Montag: „Jetzt ist nicht die Zeit zum Reisen.“ Im Übrigen sind die Touristen mit dem Strafzettel noch gut weggekommen. Falschaussagen gegenüber einer Grenzbehörde und Verstöße gegen das Quarantänegesetz können mit bis zu 750.000 Dollar geahndet werden.

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