Gewerkschaften
Corona lässt IG Metall schrumpfen
Steigende Mitgliederzahlen und damit auch höhere Beitragseinnahmen: Beides konnte die Führung der IG Metall in den vergangenen Jahren des Öfteren vermelden. Die Corona-Pandemie hat diesen Trend gestoppt: Ende 2020 habe seine Gewerkschaft gut 2.214.600 Mitglieder gezählt, sagte der IG-Metall-Vorsitzende Jörg Hofmann am Donnerstag – 48.000 oder zwei Prozent weniger als Ende 2019. Dafür verantwortlich ist laut Hofmann zum einen die sinkende Anzahl der Arbeitsplätze. So seien allein in der Metall- und Elektroindustrie im vergangenen Jahr drei Prozent weniger Jobs gezählt worden. Zudem sei es in Zeiten von Homeoffice deutlich schwieriger, die Beschäftigten direkt anzusprechen und von einem Beitritt in die Gewerkschaft zu überzeugen. Im Bezirk Mitte, der auch Rheinland-Pfalz umfasst, sank die Anzahl der Mitglieder überdurchschnittlich um 2,6 Prozent auf gut 306.000, davon 72.100 in Rheinland-Pfalz.
591 Millionen Euro Mitgliedsbeiträge
Das Minus bei den Mitgliedern bekommt auch Jürgen Kerner zu spüren. Die Beitragseinnahmen seien 2020 erstmals seit langer Zeit rückläufig gewesen, bilanzierte der Hauptkassierer der IG Metall. 591 Millionen Euro flossen in die Kassen der Gewerkschaft – sieben Millionen weniger als noch 2019. Gleichwohl sei die IG Metall finanziell „gut aufgestellt“, am Geld werde kein Streik scheitern, betonte Kerner.
Eine Aussage, die mit Blick auf die laufende Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie nicht uninteressant ist. Nach zwei Verhandlungsrunden ist eine wirkliche Annäherung nicht in Sicht. Ende Februar endet die Friedenspflicht, und dass bis dahin ein Abschluss erzielt wurde, hält Jörg Hofmann für „höchst unwahrscheinlich“.
Sorge um Lage von Berufsanfängern
Wobei die Lage in den einzelnen Regionen durchaus unterschiedlich ist. Während sich im traditionellen Pilotbezirk Baden-Württemberg derzeit offensichtlich kaum etwas bewegt, wurde für Rheinland-Pfalz, Hessen und das Saarland am Mittwoch zumindest die Einrichtung einer Arbeitsgruppe vereinbart. Bis zu den nächsten Verhandlungen am 18. Februar soll dort über Beschäftigungssicherung, Zukunftstarifverträge und Ausbildungsfragen gesprochen werden.
Denn das Thema Ausbildung treibt die IG Metall um. Die Folgen der Pandemie träfen gerade Berufsanfänger „mit voller Wucht“, sagte die Zweite Vorsitzende, Christiane Benner. Das zeige sich in steigender Arbeitslosigkeit bei Jugendlichen ebenso wie darin, dass im vergangenen Jahr erstmals seit langem weniger als 500.000 Ausbildungsverträge neu abgeschlossen worden seien.