Meinung
Bischöfe in heikler Mission im Vatikan
Alle fünf bis sieben Jahre müssen katholische Bischöfe aus aller Welt zum Rapport in Rom antreten, um zu berichten, wie es um die Kirche und den Glauben in ihrem Land bestellt ist. In dieser Woche weilen die deutschen Kirchenoberen in der Ewigen Stadt – eigentlich ein Routinebesuch. Wäre da nicht der 2019 in Deutschland gestartete Reformprozess namens Synodaler Weg, der im Vatikan mit Argwohn und Unverständnis verfolgt wird.
Vor sieben Jahren waren die deutschen Bischöfe letztmals gemeinsam in Rom. Damals ermahnte sie Franziskus, etwas gegen „die Erosion des katholischen Glaubens in Deutschland“ zu unternehmen. Inzwischen haben jedoch mehr als 1,5 Millionen Katholiken ihre Kirche verlassen. Beeinflusst wurde die Flucht durch das 2018 bekannt gewordene Ausmaß des sexuellen Missbrauchs in der Kirche, durch die schleppende Aufarbeitung dieser Verbrechen, das Zögern, die Vertuscher beim Namen zu nennen, und das Gerangel um Entschädigungen. Die Folgen sind ein enormer Vertrauensverlust und die Erkenntnis, dass es im System Kirche krankt.
Nur mit Zustimmung des Papstes
Deshalb haben die deutschen Bischöfe mit der höchsten Vertretung der Laien, dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken, sich zu einem Reformprozess durchgerungen. Darin geht es um mehr Mitsprache der Gläubigen, um die Gleichberechtigung von Frauen, um ein freiwilliges Zölibat (Ehelosigkeit) der Priester und eine Neubestimmung der katholischen Sexuallehre. Seit nunmehr drei Jahren ist dieser Prozess in Gange - wohlwissend, dass viele dieser Vorschläge nur mit Zustimmung des Papstes umgesetzt werden können. Trotzdem schrillen angesichts der Debatten und Forderungen aus Deutschland im Vatikan die Alarmglocken.
Nicht anders zu deuten, ist ein Schreiben aus dem Vatikan im Sommer, in dem der deutsche Reformprozess harsch gerügt wird. Im September verstieg sich der Ökumene-Minister des Papstes, Kurienkardinal Kurt Koch, zu einem hanebüchenen Vergleich: Er setzte den Synodalen Weg in indirekten Bezug zu Denkweisen „während der nationalsozialistischen Diktatur“. Auch bei Franziskus stoßen die Reformbemühungen nicht auf Wohlwollen. Auf dem Rückflug seiner Reise nach Bahrein sagte er: Deutschland habe bereits eine große evangelische Kirche. Er wolle keine weitere. Damit verkennt Franziskus die Diskussionslage. Denn es waren die sexualisierte Gewalt, der Machtmissbrauch und das moralische Versagen der Kirchenoberen, die für den Zustand der Kirche in Deutschland verantwortlich sind.
Bewahrer der reinen Lehre
In dieser Gemengelage führen die Bischöfe ihre Gespräche mit den Chefs und Mitarbeitern der wichtigsten Kurienbehörden sowie mit dem Papst. Auch wenn der ein oder andere Bischof hofft, dabei die Vorbehalte entkräften zu können, geeint werden die deutschen Oberhirten nicht auftreten. Den Reformorientierten stehen diejenigen gegenüber, die sich als Bewahrer der reinen katholischen Lehre gerieren.
Die Lagerbildung in der Bischofskonferenz trat bei der Vollversammlung des Synodalen Weges Mitte September zu Tage. Dort bremste eine Sperrminorität der Bischöfe ein Grundlagen-Papier zur Reform der Sexualethik aus. Der Limburger Bischof Georg Bätzing, Vorsitzender der Bischofskonferenz, musste einräumen: „Wir haben einen Konsens darüber, dass es Dissens gibt.“ Also nicht die besten Voraussetzungen, um die Anliegen der Initiative vorzubringen und das Schreckgespenst eines „deutschen Weges“ zu vertreiben. Aber der Besuch in Rom könnte Klarheit darüber bringen, wie viel Spielraum der Papst dem deutschen Reformprojekt lassen will.