Meinung
Beim Welt-Klimagipfel zeigt sich eine geteilte Welt
Als im vorigen Jahr der Welt-Klimagipfel im schottischen Glasgow stattfand, stand das Thema Klimawandel ganz oben auf der politischen Agenda. Nun, da das diesjährige Treffen ab Sonntag im ägyptischen Sharm el Sheikh stattfindet, ist wenig Optimismus zu verspüren. Obwohl Durchbrüche bei den Verhandlungen dringend notwendig wären. Die Welt ist in den Monaten nach Glasgow viel komplizierter geworden.
Da ist zum einen der von Russland angezettelte Ukrainekrieg. Die dahinterstehende Machtpolitik droht die Atmosphäre bei den Klimagesprächen zu vergiften. In Ägypten wird es leider nicht nur um Anstrengungen gehen, das Aufheizen der Erdatmosphäre zu verhindern. Sondern auch darum, ob Staaten der Blockbildung mit Russland zuneigen. Moskau wird bestrebt sein, die Unzulänglichkeiten der Industrieländer beim Klimaschutz anzuprangern – und so die Regierungen von Entwicklungsländern gegen sie in Stellung zu bringen.
Horrende Preise
Der Ukrainekrieg hat zu einer weltweiten Energiekrise geführt. Auch deshalb, weil die relativ wohlhabenden Europäer alles daran gesetzt haben, schnell von russischem Gas und Öl unabhängig zu werden. Im Gegenzug haben sie Gasvorräte auf dem Weltmarkt eingekauft. Dabei waren sie bereit – und bisher meist in der Lage –, dafür teils horrende Preise zu bezahlen. Mit dem Ergebnis, dass anderswo, namentlich in Afrika und im südlichen Asien, Flüssiggas fehlt oder irre Preise verlangt werden.
Zudem wurden, auch in der industrialisierten Welt, Kohlekraftwerke reaktiviert. Die gelten eigentlich als Auslaufmodelle, denn sie setzen beim Verbrennen der fossilen Stoffe riesige Treibhausgasmengen frei – manche von ihnen so viel wie anderswo ganze Staaten. Wie lange diese Meiler nun laufen werden, ist in Anbetracht der Weltlage offen. Kurzfristig geht es eben um Versorgungssicherheit, hinzu kommt die Angst vor einer Deindustrialisierung – auch in Deutschland.
Zum Drittel unter Wasser
So wird der Klimawandel in der Politik wieder als Langfristproblem eingeordnet. Selbst wenn Katastrophen, die den seit langem prognostizierten Folgen entsprechen, bereits gehäuft auftreten. So war ja nicht nur Deutschland, sondern das gesamte westliche Europa im Sommer von Hitze, Dürren und Waldbränden betroffen. Pakistan wiederum stand in der Monsunzeit zeitweise zu einem Drittel unter Wasser. Gleichzeitig fiel in Westafrika mancherorts auch in diesem Jahr wieder kein einziger Tropfen Regen. Resultat: eine sich ausbreitende Hungersnot.
Weil sich die ärmeren Länder des Südens in viel geringerem Maße gegen die Folgen des Klimawandels schützen können, fordern sie zunehmend verbittert die Erfüllung früherer Gipfelzusagen der Industrieländer ein. Diese sind ja, historisch betrachtet, für den Großteil der Klimagase in der Atmosphäre verantwortlich. Doch EU, USA & Co. verweisen auf leere Taschen: Erst mussten sie Milliardenpakete fürs Bewältigen der Corona-Krise schnüren, denen folgten meist noch umfangreichere Hilfspakete zum Abfedern der Energiekrise.
Gipfel der Vorhaltungen
Manche Staaten, darunter Deutschland, verstehen die Energiekrise gleichzeitig als Anreiz, um viel schneller von fossilen Energien wegzusteuern. Das wäre positiv fürs Klima. Doch der nötige Umbau von Wirtschaft und Gesellschaft verschlingt Milliarden. Unterm Strich steht den ärmeren Staaten daher wohl weniger Geld aus den Töpfen des Nordens zum Ausgleich von Klimaschäden zur Verfügung.
Das Treffen in Ägypten droht so zu einem Gipfel der Vorhaltungen zu werden: zwischen Nord und Süd und zwischen Ost und West.