Politik „Beide Seiten werden sich weiter auf die Nerven gehen“

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Russland antwortet verärgert auf die Ausweisung seiner Diplomaten durch die USA und mehrere EU-Länder. Russische Experten rechnen damit, dass der Westen auch wieder Sanktionen gegen ihr Land verhängen könnte.

Das russische Außenministerium kündigte prompt Gegenmaßnahmen an: „Wir werden darauf reagieren“, hieß es gestern in einer offiziellen Erklärung des Ministeriums. Darin wird der Ausweisungsbeschluss als provokative Geste dubioser Solidarität der westlichen Staatengruppe mit der Regierung in London bezeichnet. Er stelle eine Fortsetzung der Konfrontationslinie zur Eskalation der Lage dar und helfe bei der Suche nach den Schuldigen für den Giftanschlag auf den russischen Doppelagenten Sergei Skripal in England in keiner Weise. „Auch die Verbündeten Großbritanniens haben keine objektiven oder ausreichenden Angaben, sie folgen blind dem Prinzip der euroatlantischen Einheit und schädigen dabei den gesunden Menschenverstand.“ Welche Gegenmaßnahmen Moskau konkret ergreifen wird, war gestern noch nicht bekannt. Aber russische Experten rechnen damit, dass es eine symmetrische Antwort des russischen Außenministeriums geben werde. „Auf so etwas folgen üblicherweise adäquate Maßnahmen, also die Ausweisung der gleichen Anzahl westlicher Diplomaten aus Russland“, sagt der Politikwissenschaftler Aschdar Kurtow. Wobei in diesem Fall die russische Diplomatie aufgrund der großen Anzahl von Ausweisungen vor besondere Probleme gestellt werde: „Das führt schon zur Desorganisation ihrer Arbeit, es wird schwer werden, so viele ausgewiesene Beamte zu ersetzen.“ Kurtow glaubt, dass es auch wieder zu wirtschaftlichen oder personellen Sanktionen des Westens kommen könnte. Denn das Hauptproblem bestehe nach wie vor: Der Fall Skripal sei ungelöst. „Beide Seiten werden einander weiter auf die Nerven gehen.“ Kurtows Kollege Fjodor Lukjanow verweist im Blog auf dem russischen Kommunikationsdienst Telegram darauf, dass die westlichen Staaten zum ersten Mal seit den 80er Jahren das Verhältnis zu einem wichtigeren Partner aus Erwägungen der Block-Disziplin verschärften. Er sagt: „Zwischen Russland und dem Westen hat ein multilateraler diplomatischer Krieg begonnen.“ Maria Sacharowa, Sprecherin des russischen Außenministeriums, spottete schon vorher auf Facebook über die „untertänige politische Unterstützung der EU-Länder für London“. Dabei habe niemand den Brexit gestoppt, die Scheidungsprozedur sei im vollen Gange. „Das heißt, ein Land, das die EU verlässt, nutzt den Solidaritätsfaktor aus und drängt den dort verbliebenen Staaten verschlechterte Beziehungen zu Russland auf.“

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