Syrien RHEINPFALZ Plus Artikel Baschar al-Assad: Schritt für Schritt aus der Isolation

Ließ sich im Frühjahr für weitere sieben Jahre im Amt bestätigen: Baschar al-Assad.
Ließ sich im Frühjahr für weitere sieben Jahre im Amt bestätigen: Baschar al-Assad.

Syriens Präsident Assad findet wieder Gesprächspartner. Viele Staaten im Nahen Osten wollen sich wirtschaftliche Vorteile und einen Anteil am Wiederaufbau Syriens sichern, wenn der Krieg dort vorbei ist.

Wenn die Präsidenten zweier Nachbarländer miteinander telefonieren, ist das an sich nicht ungewöhnlich. Doch dass der syrische Staatschef Baschar al-Assad den jordanischen König Abdullah II anrief, war eine kleine Sensation. Das Gespräch war das erste zwischen den beiden Politikern, seit vor zehn Jahren der Bürgerkrieg in Syrien ausbrach. Der König bemüht sich wieder um bessere Beziehungen zum Assad-System. Er ist nicht der einzige in der Region.

Assad hat Jahre als politisch Aussätziger im Nahen Osten verbracht. Mit seinem Krieg gegen das eigene Volk machte er sich zur Unperson. Die Arabische Liga legte die Mitgliedschaft seines Landes 2011 auf Eis, die früher engen Beziehungen zum nördlichen Nachbarn Türkei sind eisig. Besuche bei seinen Unterstützern Russland und Iran sind die einzigen Auslandsreisen, die für Assad in Frage kommen.

Botschaften eröffnet, Grenzübergang geöffnet

Doch Schritt für Schritt kommt Assad aus der Isolation heraus. Das liegt zum einen daran, dass seinen Gegnern in der Region inzwischen klar ist, dass er trotz hunderttausender Toter und gewaltiger Zerstörungen in Syrien an der Macht bleiben wird. Im Frühjahr ließ sich Assad für weitere sieben Jahre im Amt bestätigen. Und zum anderen wollen immer mehr Staaten im Nahen Osten sich wirtschaftliche Vorteile und einen Anteil am Wiederaufbau Syriens sichern, wenn der Krieg dort zu Ende geht.

Die Vereinigten Arabischen Emirate und Bahrain öffneten deshalb schon vor drei Jahren wieder ihre Botschaften in Damaskus; im vergangenen Jahr schickte Oman als erster arabischer Staat wieder einen Botschafter in die syrische Hauptstadt. Jordanien hat den wichtigsten Grenzübergang mit Syrien geöffnet.

Einfluss des Iran eindämmen

Die USA, die Sanktionen gegen das Assad-Regime verhängt haben, warnen die Nahost-Staaten vor zu viel Nähe zur Regierung in Damaskus. Doch Washington arbeitet selbst indirekt mit Syrien zusammen: Die US-Regierung unterstützt ein Projekt zur Erdgas-Versorgung des Libanon über eine Pipeline, die von Ägypten über Jordanien und Syrien führt. Assad gewinnt dadurch an Renommee und verdient an Transitgebühren für das Gas.

Ein nächster Schritt wäre die Rehabilitierung Syriens in der Arabischen Liga. Anhänger verbesserter Beziehungen mit Damaskus hoffen darauf, dass die Rückkehr Syriens in die arabische Staatengemeinschaft den Einfluss des regionalen Gegners Iran in Syrien eindämmen könnte.

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