Politik
Bad Bergzabern: Elektronikzentrum repariert Ausrüstung der Bundeswehr
Wenn es bei der Elektronik von Bundeswehr-Ausrüstung hapert, ist das ein Fall für das Elektronikzentrum der Streitkräfte in Bad Bergzabern. Neuerdings werden dort auch Geräte repariert, die die Soldaten vor einer speziellen tödlichen Bedrohung schützen sollen.
Sie bereiten deutschen Soldaten im Afghanistan-Einsatz mit die größten Sorgen: Sprengfallen am Wegesrand. Auch in Mali wächst laut Bundesverteidigungsministerium die Bedrohung durch diese einfach zu bauenden Bomben. Besonders perfide sind Sprengsätze, die gezielt zur Explosion gebracht werden, wenn Soldaten in unmittelbarer Nähe sind. Gezündet werden sie dabei oft per Funk über ein Handy. Dagegen setzt die Bundeswehr Störsender ein, die die Funkübertragung unmöglich machen.
Instandsetzung von Jammern
Diese sogenannten Jammer, die in Fahrzeugen verbaut oder von Soldaten getragen werden, hat die Bundeswehr von einer Firma in England beschafft, wie Oberstleutnant Wolfgang Eder, der Leiter des Elektronikzentrums der Bundeswehr in Bad Bergzabern berichtet. Zur Instandsetzung wurden die Geräte zunächst jedes Mal auf die Insel geschickt. Ein langwieriger Prozess, nicht zuletzt deshalb, weil es beim Zoll immer wieder Probleme gab. „Es ist eben Wehrmaterial“, sagt Eder. Deswegen hat das Elektronikzentrum 2016 begonnen, eine Jammer-Instandsetzung in seiner Funkwerkstatt aufzubauen, was die Reparatur der Geräte enorm beschleunigt habe. Sich neue Fähigkeiten anzueignen, ist immer wieder Aufgabe des Elektronikzentrums, das 1962, damals noch unter anderem Namen, in einer ehemaligen Strumpffabrik gegründet wurde.
Auslandseinsätze sind nicht selbstverständlich
Das Elektronikzentrum unterstützt die Bundeswehr auch mit Wartungsarbeiten im Ausland. Was nicht so selbstverständlich ist, wie man annehmen mag. Denn nur Soldaten können zu Auslandseinsätzen verpflichtet werden. Wer den Standort in Bergzabern betritt, sieht zwar viele Uniformträger, doch es dominiert klar das Blau von Polizeiuniformen. Bundespolizei und Bundeswehr teilen sich das Gelände. Von den 240 Planstellen, die das Elektronikzentrum (mit vier kleinen Außenstellen) hat, entfallen nur 19 auf Soldaten. Die große Mehrheit stellen Zivilisten. Einer davon ist Walter Klingebeil, der wegen seiner Arbeit im Ausland schon zwei Einsatzmedaillen bekommen hat, wie er erzählt. Dass sich immer zivile Mitarbeiter finden, die ins Ausland fahren, erklärt Klingebeil mit „Verantwortungsgefühl“. Es sei auch ein befriedigendes Gefühl, die Dankbarkeit der Truppe vor Ort zu erfahren.
Einschränkung beim Einsatz von Zivilisten
Beim Einsatz der Zivilisten gibt es aber eine wichtige Einschränkung: „Dort wo die Luft bleihaltig ist, wo es also richtig gefährlich ist, müssen Soldaten hin“, sagt Oberstleutnant Jürgen Gründer, der Leiter der Zentralen Betriebsführung. Es gebe dafür an den Außenstellen Wunstorf und Erding vier Soldaten, die „combat-ready“, also gefechtsbereit seien. Sie werden etwa nach Mali geschickt. Dort müssen am Flugplatz in Gao, den die Bundeswehr nutzt, regelmäßig die Geräte zur Wetterbeobachtung gewartet werden. Die zivilen Mitarbeiter kommen dennoch ziemlich weit in der Welt herum. So flogen sie zuletzt nach Jordanien, wo die Luftwaffe zu ihren Aufklärungseinsätzen gegen die Dschihadistenmiliz IS startet; ins Baltikum, wo sich die Bundeswehr an der Luftraumüberwachung beteiligte, und zu einer Übung nach Schweden.
Zu den Auszubildenden gehörte einst Kurt Beck
Während die Bundeswehr generell Nachwuchssorgen in technischen Berufen hat, ist davon in Bergzabern kaum etwas zu spüren: Gut 93 Prozent der Dienstposten sind besetzt. Das liegt laut Eder vor allem an der eigenen Ausbildungswerkstatt, in der zehn Ausbilder 96 Azubis auf ihre Berufe vorbereiten. 1966 schloss dort als Mitglied des ersten Jahrgangs der spätere rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck seine Ausbildung zum Elektromechaniker ab. Dass die Suche nach Nachwuchs schwieriger werde, merke man aber auch sagt Gründer. Den die Anzahl der Bewerber nehme ab. Das Elektronikzentrum versteht sich als Dienstleister für die Bundeswehr. Das Leistungsspektrum ist groß: Es reicht von der Wartung von Funkgeräten über Instandsetzung der Elektronik von Waffensystemen wie dem Kampfpanzer Leopard oder der Panzerabwehrwaffe Milan bis hin zur Abstrahlprüfung von Computern. Dabei wird geprüft, dass die Computer nicht eine so starke elektromagnetische Strahlung aussenden, dass Gegner sensible Informationen abgreifen könnten.
Server-Kabine extremer Hitze ausgesetzt
Auch spezielle Wünsche werden immer wieder an das Elektronikzentrum herangetragen. So plant der Sanitätsdienst der Bundeswehr, die elektronische Patientenakte einzuführen. Diese soll den schnellen Austausch medizinischer Daten ermöglichen, gerade auch bei internationalen Missionen. Doch dafür braucht es einen Computer, der den besonderen Anforderungen von Auslandseinsatzen gewachsen ist. Das Elektronikzentrum baute in Kooperation mit einem Unternehmen eine Server-Kabine, die nicht nur hochmobil ist. Sie wurde auch Extremsituationen ausgesetzt, wie der Projektmanager, Stabsfeldwebel Sascha Jost, berichtet: „Wir haben die Kabine einer Hitze von 50 Grad und einer hundertprozentigen Sonneneinstrahlung ausgesetzt.“ Aber auch das andere Extrem, starke Kälte (minus 30 Grad) und hundertprozentige Luftfeuchtigkeit, wurde getestet. Denn wer weiß schon, wo die Bundeswehr künftig Dienst tut.