Meinung
Büttners Glatzen-Wette: Mit politischer Glaubwürdigkeit hat das nichts zu tun
Nicole Büttner war beim Frisör. Eigentlich eine Nachricht von äußerst überschaubarer Relevanz. Aber um die dunklen Locken der FDP-Generalsekretärin wurde zuletzt viel Gewese gemacht, sie selbst hat ihre neue Kurzhaarfrisur nun der Öffentlichkeit präsentiert – verbunden mit einem Plädoyer für politische Glaubwürdigkeit. Und deshalb ist der Vorgang dann doch wieder eine nähere Betrachtung wert.
Anfangen hat alles im baden-württembergischen Wahlkampf. Büttner sagte der „Schwäbischen Zeitung“: Sie liebe ihre lockigen Haare, werde sie aber abrasieren, sollte die FDP den Wiedereinzug in den Landtag nicht schaffen. „Alles weg, radikal.“ Es kam bekanntermaßen anders, als von der 41-Jährigen erhofft. Die Liberalen erreichten nur 4,4 Prozent der Stimmen; ein radikaler Einschnitt, obwohl sich die Generalsekretärin mit Haut und Haaren eingesetzt hatte.
Seitdem erregte eine Frage die Gemüter: Würde sie die Ankündigung wahrmachen? Medien beschäftigten sich intensiv mit der Einlösung der sogenannten Wette. Dabei war das eine schräge Konstellation. Büttner ging die Wette gegenüber den Interviewern ein, die nichts zu verlieren hatten. Es war also eher eine vollmundige Ankündigung, die sie im Nachhinein womöglich bereut hat. Aber sie schuldet niemandem etwas, geholfen hat es der Partei ja offenkundig auch nicht.
Pose statt Position
Die Politikerin ist wiederum Profi genug, um eine Gelegenheit, sich zu profilieren, auch zu erkennen. Sie hat ein Video auf Instagram veröffentlicht unter der Überschrift „Wort halten“. Büttner zeigt sich zunächst mit bunten Kopftuch und argumentiert mit der Glaubwürdigkeit der Politik. Sie habe eine Wette verloren und löse sie ein, will keine Ausflüchte geltend machen. Große Herausforderungen seien zu meistern, dafür brauche es Verlässlichkeit. „Dafür stehe ich mit meinem Wort – und jetzt auch mit meiner neuen Frisur“, sagt Büttner, bevor sie ihre Glatze präsentiert.
Das klingt ehrenwert, ist aber, pardon, an den Haaren herbeigezogen. Noch einmal: Es ging um einen flotten Spruch, nicht um eine bedeutsame Aussage oder gar ein Wahlversprechen, an dem man Politikerinnen und Politiker in der Tat messen sollte. Die FDP-Generalsekretärin verwechselt hier Pose mit Position. Das ist leider symptomatisch für ihre Partei und mit ein Grund dafür, warum sie derzeit so schlecht dasteht.