Linda Thomas-Greenfield RHEINPFALZ Plus Artikel Aus tiefer Armut zur US-Spitzendiplomatin

Amerikas neue UN-Botschafterin Linda Thomas-Greenfield ist die Tochter eines Landarbeiters.
Amerikas neue UN-Botschafterin Linda Thomas-Greenfield ist die Tochter eines Landarbeiters.

Als die Trump-Regierung 2017 die Macht übernahm, wurde die erfahrene Diplomatin aus dem Dienst gedrängt, sie warf schließlich hin. Nun ist Linda Thomas-Greenfield die neue UN-Botschafterin der USA.

68 Jahre alt, aufgewachsen in Baker, einer Kleinstadt in Louisiana, Tochter eines Landarbeiters, der weder lesen noch schreiben konnte – die Afroamerikanerin, die Gästen gerne den Südstaaten-Eintopf Gumbo serviert, hat in ihrem Leben viel erleben müssen. Das Wohnviertel ihrer Kindheit wurde regelmäßig vom Ku Klux Klan heimgesucht. Von Kapuzenmännern, die auf den Grundstücken afroamerikanischer Bewohner Fackeln entzündeten. Als sie 1982 in den diplomatischen Dienst eintrat, sei sie „nicht die Norm“ gewesen. Die meisten, die mit ihr anfingen, hatten an einer Spitzenuniversität der Ivy League studiert, sie dagegen „nur“ an der Louisiana State University.

1994 entsandte man sie nach Ruanda, wo 800.000 Menschen dem Genozid zum Opfer fielen. Ein Mann, der sie für eine Tutsi hielt, wollte sie töten. Sie sei dem Tod entkommen, weil sie ruhig mit ihm geredet habe. Ihre jahrzehntelange Erfahrung ließ sie aufsteigen im Apparat des Außenamts. Zuletzt diente sie in der Obama-Regierung als Chefin der Afrikapolitik. Bis sie eben 2017 gehen musste.

Posten mit Kabinettsrang

Seit Mittwoch nun ist sie zurück. Und wie. Der Posten der UN-Botschafterin hat Gewicht, bedeutet er doch, im Rang eines Kabinettsmitglieds mit am Tisch zu sitzen, wenn im Weißen Haus außenpolitische Entscheidungen fallen. Madeleine Albright hatte das Amt inne, bevor sie Außenministerin wurde.

Bei ihrer Anhörung musste sich Greenfield-Thomas vorwurfsvolle Fragen zu einem Vortrag anhören, in dem sie 2019 die Möglichkeiten von Kooperationen mit China auslotete. Sie lobte gar Peking für seine Milliardeninvestitionen in Afrika. In ihrer Anhörung im Senat räumte sie ein, der Vortrag sei ein Fehler gewesen, denn China sei ein strategischer Gegner, „eine Bedrohung rund um den Globus“. Mit 78 zu 21 Stimmen ist sie am Ende bestätigt worden – ein sehr ordentlicher Vertrauensvorschuss.

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