Politik Atomwaffenfrei bleibt ein Traum

Die atomare Abrüstung in den USA und Russland schreitet nur langsam voran. Gleichzeitig investieren beide Länder viel in die Modernisierung ihrer Atomwaffen. Das ergibt der Jahresbericht des Stockholmer Friedensforschungsinstitutes Sipri.
Eine atomwaffenfreie Welt bleibt weiterhin ein ferner Traum. Nach dem Ende des Kalten Krieges 1989 schien sie zwar zum Greifen nahe. Doch nach fast drei Jahrzehnten hat sich noch immer nicht genug getan. Laut dem Jahresbericht zur Entwicklung der weltweiten Atomwaffen für 2018, den das Friedensforschungsinstitut Sipri heute veröffentlicht, gibt es kein Land weltweit, dass sich in einer „vorhersehbaren Zukunft“ von seinen Atomwaffen verabschieden möchte. Anfang 2018 hatten alle Atommächte zusammen laut Sipri vermutlich 14.465 nukleare Sprengköpfe. Das sind immerhin 470 Stück weniger als Anfang 2017 und 930 Stück weniger als vor zwei Jahren. Sowohl die USA als auch Russland wollen aber auch heute an Atomwaffen als wesentliche Bestandteile ihrer militärischen Schlagfähigkeit festhalten. Zusammen verfügen Moskau und Washington über 92 Prozent aller Atomwaffen weltweit. Die USA hatten Anfang des Jahres 6450 Sprengköpfe (minus 350 im Vergleich zum Vorjahr), von denen 1750 direkt abfeuerbar sind. Russland verfügte über 6850 Sprengköpfe (minus 150), wovon 1600 direkt eingesetzt werden können. Die restlichen acht Prozent aller Atomwaffen entfallen auf Großbritannien (unverändert zum Vorjahr 215), Frankreich (unverändert 300), China (270, plus zehn zum Vorjahr), Indien (130 bis 140, vermutlich plus zehn), Pakistan (140 bis 150, vermutlich plus zehn), Israel (unverändert 80) und Nordkorea (zwischen zehn und 20). Die Reduzierung der Arsenale beruht vor allem auf der Implementation des „New Start“-Abrüstungsabkommens von 2011 zwischen Moskau und Washington. „Der Abrüstungstakt bleibt hier langsam“, schreibt Sipri. In früheren Jahren wickelten beide Länder deutlich mehr Waffen ab. Gleichzeitig laufen in beiden Atomwaffen-Supermächten „extensive und teure nukleare Modernisierungsprogramme“, warnt Sipri. In den kommenden Jahren werden die USA laut Schätzungen eine Billion US-Dollar (860 Milliarden Euro) für die Modernisierung ihrer Atomwaffensysteme ausgeben. Die Regierung Trump folgt dabei laut Sipri nur dem bereits von Friedensnobelpreisträger und Ex-US-Präsident Barack Obama anvisierten ambitiösen Modernisierungsprogramm. Auch die kleineren Atommächte sind dabei oder haben angekündigt, ihre Atomwaffensysteme zu modernisieren und/oder zu vergrößern.