Meinung
Atomwaffen: Endlich geächtet!
Die Menschheit ist auf dem Weg zu einer atomwaffenfreien Welt ein kleines Stück vorangekommen. Der internationale Vertrag zum Verbot von Atomwaffen wird in weniger als drei Monaten in Kraft treten. Voraussetzung dafür war, dass mindestens 50 Länder den Pakt ratifizieren. Diese Schwelle wurde am Wochenende erreicht. Damit schließen die Vertragsstaaten eine Leerstelle in den bisherigen Abrüstungsbemühungen.
Mehr als 75 Jahre nach den verheerenden Abwürfen von US-Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki ächtet das neue UN-Abkommen den Einsatz und praktisch alle Aktivitäten rund um die Massenvernichtungswaffen. Das Verbot der schlimmsten Kriegsgeräte, die der Mensch je entwickelt hat, sollte eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein. Denn ein Gebrauch der Bomben würde die Welt in die größte anzunehmende Katastrophe stürzen. Das gesamte Leben auf unserem Planeten könnte ausgelöscht werden.
Die Atommächte sind dagegen
Allerdings sind dem Verbotspakt bislang fast nur Länder beigetreten, die militärisch und politisch auf der Weltbühne kaum für Aufsehen sorgen: von Honduras über Gambia bis Irland. Als treibende Kraft für das Abkommen profilierte sich Österreich. Die fünf offiziellen Kernwaffenmächte, die USA, Russland, China, Frankreich sowie Großbritannien und die meisten ihrer Verbündeten, darunter auch Deutschland, wollen von dem Vertrag aber nichts wissen. Ebenso weisen die anderen vier Atomwaffenmächte Indien, Israel, Pakistan und Nordkorea den Pakt zurück. Für sie alle gilt das Verbot der Nuklearwaffen nicht.
Dennoch wird der Pakt gegen die Bombe mehr als eine symbolische Wirkung entfalten. Die Ächtung dieser Waffen dürfte auf Regierungen abschreckend wirken, die mit dem Erwerb der Bombe liebäugeln. Auch die Atomwaffenmächte dürften fortan immer mehr in Erklärungsnot geraten, wieso sie Milliardensummen in ihre „Nukes“ stecken.
Druck auf Unternehmen
Dass die führende Atomwaffenmacht, die USA, den Verbotsvertrag fürchtet, zeigt ihre Politik. Seitdem die ersten Gespräche über ein Verbot ernsthaft starteten, versuchten die USA das Abkommen zu vereiteln. Washington wies Alliierte an, dem Vertrag nicht beizutreten.
Der Pakt könnte auch Firmen, die an Atomwaffenprogrammen mitarbeiten oder finanzieren, zum Umdenken zwingen. Die weltweite Kampagne zur Ächtung von Atomwaffen (Ican), die für ihren Kampf gegen die Bombe 2017 den Friedensnobelpreis erhielt, ruft Investoren dazu auf, ihr Engagement in den beteiligten Firmen zu beenden.
Deutsche Bank hat Konsequenzen gezogen
Auf einer schwarzen Liste der Kampagne steht beispielsweise der Luft- und Raumfahrtkonzern Airbus. Zwar hält Airbus fest, dass seine Rüstungssparte „Airbus Defence and Space“ keine nuklearen Waffen produziert. Wohl aber stellt eine 50-Prozent-Tochter, die ArianeGroup, die M-51 Trägersysteme für das französische Nuklearwaffenprogramm her. Solche Verbindungen zu Atomprogrammen dürften in Zukunft noch schwerer zu rechtfertigen sein.
Die Deutsche Bank hingegen erkannte schon die Zeichen der Zeit. Das Geldhaus gab 2018 bekannt, alle Geschäfte mit Firmen vermeiden zu wollen, die im Sektor „kontroverse Waffen“ aktiv sind. Darunter fallen selbstredend auch Atomwaffen.