Ukraine-Krieg
Anti-russische Parolen an Sowjetischem Ehrenmal in Berlin
In Berlin und Brandenburg gibt es zahlreiche Sowjetische Ehrenmale, die an die in der Schlacht um die damalige Reichshauptstadt getöteten Soldaten der Roten Armee erinnern. Sie werden seit dem russischen Angriff auf die Ukraine zunehmend zur Zielscheibe.
Gerade wurde der Sockel des Ehrenmals im Treptower Park mit antirussischen Parolen beschmiert. „Mörder“ und „Orks“ (wie die russischen Besatzer von den Ukrainern in Anlehnung an die plündernden Banden unmenschlicher Wesen in Tolkiens „Herr der Ringe“ genannt werden) stand dort zu lesen. Zuvor wurde bereits „Putin=Stalin“ und „Ukrainian Blood on Russian Hands“ am Eingangsportal unterhalb der riesigen Bronzeskulptur des Rotarmisten mit Kind auf dem Arm und zerschlagenem Hakenkreuz vor den Füßen gesprüht.
Vorfall als „Schändung“ betrachtet
Schon nach der ersten Attacke hatte die russische Botschaft eine Protestnote an das Auswärtige Amt gerichtet. Der Vorfall wird von der Vertretung als „Schändung“ des Denkmals für sowjetische Soldaten betrachtet, „die im Kampf für die Befreiung Europas vom Nationalsozialismus gefallen sind“. Auch der ukrainische Botschafter Andrij Melnyk verurteilte die anti-russischen Schmierereien. Das Ehrenmal sei „für uns Ukrainer heilig“, erklärte er. Melnyk erinnerte daran, dass „insgesamt über drei Millionen ukrainische Soldaten“ im Zweiten Weltkrieg gefallen seien.
Sowjetunion mit heutigem Russland verwechselt
Ende März waren am kleineren Sowjetischen Ehrenmal unweit des Brandenburger Tores zwei historische Weltkriegs-Panzer mit je einer großen ukrainischen Fahne verhüllt worden. Die CDU-Abgeordnete Stefanie Bung forderte jetzt, die beiden Panzer aus dem Stadtbild verschwinden zu lassen. Der Senat lehnt dies auch mit Verweis auf den 1990 abgeschlossenen 2+4-Vertrag ab. In dem Staatsvertrag zwischen der Bundesrepublik, der DDR und den vier Siegermächten des Zweiten Weltkriegs wurde die Pflege der Ehrenmale und ihr Erhalt in der historischen Gestalt vereinbart.
Gleichwohl gibt es einen Abrissantrag für das Sowjetische Ehrenmal im brandenburgischen Wildau, am südöstlichen Berliner Stadtrand. Das sei ein erstes Zeichen, sagte der brandenburgische Landeskonservator Thomas Drachenberg dem „Tagesspiegel“, dass dieser wahnsinnige Krieg in der Ukraine auch „im Denken auf uns Auswirkungen“ habe. Fatal sei auch, dass die Sowjetunion noch immer mit dem heutigen Russland verwechselt werde.