Meinung
Aktienkurse: Feuerwerk der Hoffnungen
Die Anleger haben sich gleich nach Weihnachten ein zweites Mal beschert. Zum Auftakt der letzten Handelswoche des Jahres kletterte der deutsche Leitindex Dax auf ein neues Allzeithoch, auch in den USA bewegten sich die Kurse weiter auf Rekordniveau. Die Begründung für die gute Nach-Fest-Stimmung ist einfach: Es gibt eine Lösung für den Brexit, und das 900 Milliarden US-Dollar schwere Corona-Hilfspaket wurde endlich auch vom Noch-Präsidenten Donald Trump durchgewinkt, und in Europa begann der Impfstoff-Marathon, der das Ende der Pandemie zumindest in greifbare Nähe rücken soll.
Alle Risiken, die in den vergangenen Monaten den Höhenflug gebremst hatten, sind also aus dem Weg geräumt – oder? Die Zuversicht der Investoren stützt sich leider immer noch hauptsächlich auf Hoffnungen, nicht auf reale Werte oder greifbare Fortschritte. Einziger wirklicher Treibstoff für das Kursfeuerwerk ist die anhaltend lockere und üppige Geldpolitik auf beiden Seiten des Atlantiks, die alle anderen Anlageformen neben der Aktie wenig attraktiv machen.
Wird Biden wirklich ein Glücksfall für den Welthandel?
Der Blick auf die reale Wirtschaft, deren Entwicklung sich eigentlich in Aktienkursen widerspiegeln soll, fällt dagegen eher gemischt aus. Die große Frage zum Jahreswechsel ist deshalb, wie nachhaltig der aktuelle Höhenflug der Kurse sein kann. Die negativen wirtschaftlichen Folgen des Brexit etwa werden sich erst in Monaten, wenn nicht Jahren zeigen. Und ob die Präsidentschaft von Joe Biden ein Glücksfall für den Welthandel wird, ist auch noch längst nicht ausgemacht. Die Pandemie wird vorbeigehen – aber wann? Was bleibt, wird auf absehbare Zeit die lockere Geldpolitik der Notenbanken sein. Doch ob das für weitere Rekorde reicht?