Kommentar RHEINPFALZ Plus Artikel Öffentlicher Dienst: Ein Konflikt in besonderen Zeiten

Die Gewerkschaften fordern ein Lohnplus von 4,8 Prozent.
Die Gewerkschaften fordern ein Lohnplus von 4,8 Prozent.

Im öffentlichen Dienst könnte sich bald zeigen, dass bewährte Konzepte der Tarifauseinandersetzung in Corona-Zeiten nur bedingt taugen.

Es sind erste, noch nicht allzu schmerzhafte Nadelstiche, die die Gewerkschaft Verdi in den kommenden Tagen setzen will, um in der Tarifrunde für die Beschäftigten des öffentlichen Dienstes den Druck auf die Arbeitgeber zu erhöhen. Nach zwei – erwartbar – ergebnislosen Verhandlungsrunden war die Ankündigung erster punktueller Streikaktionen absehbar.

Durch Corona werden die Karten neu gemischt

Bis hierhin folgt die laufende Tarifrunde dem Drehbuch zahlreicher ähnlicher Auseinandersetzungen in der Vergangenheit. In den kommenden Wochen, wenn die Verhandlungen mit den Arbeitgebern in die entscheidende Phase gehen, könnte sich aber zeigen, dass die alten Rezepte dieses Mal nur bedingt taugen. Denn durch Corona werden die Karten neu gemischt. Das beginnt bei der Frage, ob ein harter Streik, den dann auch viele Bürger unmittelbar zu spüren bekämen, in dieser von Krise und Unsicherheit geprägten Zeit in der Öffentlichkeit als legitim akzeptiert oder aber als völlig überzogen kritisiert würde.

Noch wichtiger als die Wirkung nach außen wird sein, in welchem Maße die Gewerkschaften ihre eigenen Mitglieder mobilisieren können. Und noch etwas: Lässt sich in Zeiten, in denen viele Beschäftigte im Homeoffice arbeiten, in denen Maskenpflicht und Abstandsgebot gelten und Großkundgebungen kaum vorstellbar sind, überhaupt ein wirksamer Arbeitskampf organisieren?

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