Rheinland-Pfalz Zivilcourage-Preis: Diese Pfälzer haben anderen das Leben gerettet

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Nicht wegsehen, anderen helfen – das zeichnet Zivilcourage aus. Drei Pfälzer haben sich derart mit ihrem selbstlosen Engagement hervor getan, dass ihnen der Preis für Zivilcourage des Landes verliehen wurde. Die RHEINPFALZ erzählt ihre Geschichten.

Der Germersheimer Jaroslav Gubenko war im Juli 2021 gerade auf dem Heimweg. Gemeinsam mit seiner Frau und seiner kleinen Tochter war beim Italiener um die Ecke gemütlich Abendessen. Der familiäre Verdauungsspaziergang wurde allerdings von lauten Hilfeschreien unterbrochen. „Eine Frau wurde von einem Mann mit einem Messer attackiert“, erinnert sich Gubenko im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Ohne zu zögern – und ohne Rücksicht auf die eigene Gesundheit – setzte er seine kleine Tochter in den Kinderwagen und sprintete los. Der damals 25-Jährige stieß den Angreifer von der bereits schwer verletzten Frau. Am Boden liegend hielt Gubenko den Angreifer von der Frau fern, doch zu einem hohen Preis: Dem Mann gelang es, wieder nach dem Messer zu greifen und rammte es dem jungen Familienvater ins rechte Bein.

Jaroslav Gubenko
Jaroslav Gubenko

Sein Einsatz hat sich aber gelohnt. „Die Frau hat überlebt. Andere sagen, dass sie wohl gestorben wäre“, berichtet der extrem bescheidene Gubenko. Er selbst musste noch am Tatabend ins Krankenhaus. „Nerven, Sehnen, Muskeln, alles was da so ist, wurde durchtrennt“, schildert Gubenko seine Verletzung. Ein halbes Jahr lang konnte er nicht arbeiten. Seit dem Vorfall musste er sich fünf Operationen unterziehen lassen. „Mittlerweile kann ich wieder arbeiten, aber es ist nicht mehr wie früher. Ich trainiere immer noch, um die Muskeln im Bein wieder aufzubauen“, so Gubenko. Wenn er lange sitze, habe er noch Anlaufschwierigkeiten.

Angreifer zu lebenslanger Haft verurteilt

Der rheinland-pfälzische Preis für Zivilcourage, der Jaroslav Gubenko am Mittwoch von Innenminister Michael Elbing (SPD) in Mainz überreicht wurde, war nicht die erste Anerkennung für seine selbstlose Tat. Bereits im Mai erhielt er eine Belobigung auf der Landauer Polizeidirektion. „Es gehört viel Mut dazu, sich da einzumischen und zu helfen“, sagte der stellvertretende Leiter der Polizeiinspektion Germersheim, Jürgen Hirsch, damals und bescheinigte Gubenko, ein Menschenleben gerettet zu haben.

Der 58-jährige Angreifer, der auf seine von ihm getrennt lebende Ehefrau 40-mal einstach, wurde im Mai am Landauer Landgericht wegen versuchten Mordes sowie schwerer und gefährlicher Körperverletzung zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt.

„Ich glaube, es war Schicksal“

Am Abend des 25. März wurde Laura Sophie Eberle zur Lebensretterin. Auf der L516 zwischen Edenkoben und Maikammer ereignete sich ein schwerer Verkehrsunfall, bei dem ein 20-jähriger Fußgänger von einem Wagen erfasst wurde. Der junge Mann wurde in die Luft geschleudert und erlitt lebensgefährliche Verletzungen am Kopf. Zu seinem Glück war Eberle vor Ort. Bevor der 20-Jährige zur Notversorgung in ein Ludwigshafener Krankenhaus gebracht werden konnte, reanimierte und versorgte ihn die Rohrbacherin. „Ich glaube, es war Schicksal für den jungen Mann, dass jemand vorbeigekommen ist, der weiß, was zu tun ist“, sagt Eberle. Sie ist nämlich Rettungssanitäterin und befindet sich in der Ausbildung zur Krankenschwester. „Für mich ist das ganz normal. Ich mache das täglich in meinem Beruf“, erklärt sie bescheiden. Dennoch war die Freude groß, als sie von der Auszeichnung erfuhr: „Ich war sehr überrascht und bin jetzt natürlich auch sehr stolz.“

Laura Sophie Eberle
Laura Sophie Eberle

Seit der Unfallnacht steht Laura Sophie Eberle in Kontakt mit dem Bruder des Verletzten, der sich weiterhin in einer neurologischen Rehaklinik befindet. „Ich weiß nicht genau, wie es ihm heute geht, aber ich weiß, dass er lebt und dass er kämpft“, so die Lebensretterin.

Anderen ein Vorbild sein

Mit dem Jugendpreis für Zivilcourage wurde ein junger Ludwigshafener ausgezeichnet. Der 16-jährige Alpay Nedzhiyati bemerkte auf dem Schulhof einen Streit zwischen zwei seiner Mitschüler. Ein Neuntklässler würgte einen Jungen aus der fünften Klasse. „Ich bin direkt hingegangen“, erinnert sich Nedzhiyati. Angst, selbst verprügelt werden zu können, habe er nicht gehabt, wie er erzählt: „Mir ging es nur um den Jungen. Ich habe überhaupt nicht an mich gedacht.“

Alpay Nedzhiyati
Alpay Nedzhiyati

Als sich eine ganze Traube an Mitschülern um das Geschehen sammelte, bat der 16-Jährige diese darum, Abstand zu halten. Währenddessen redete er beständig auf den Neuntklässler ein, damit dieser von dem jüngeren Schüler ablässt. Das geschah dann endlich, als ein Lehrer dazu kam. Nedzhiyati hatte entscheidenden Anteil daran, dass die Situation nicht weiter eskalierte. „Das war sehr gefährlich. Der Junge hätte sterben können“, so der Streitschlichter. Der junge Preisträger hofft, ein gutes Vorbild zu sein: „Ich möchte anderen zeigen, dass man keine Angst haben muss und mithelfen sollte.“

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