Rheinland-Pfalz
Wie die Regierung den Fachkräftemangel in den Kitas angehen will
Leon Raiser und Dominik Gessner sind wie geschaffen für die Werbekampagne von Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD), die diese am Montagmorgen im Foyer des Landesmuseums in Mainz öffentlich vorgestellt hat. Sie sind zwei von mehreren Protagonisten auf den Werbeplakaten, der eine mit Trommeln und zwei Mädchen abgebildet, der andere als Vorleser in einer Gruppe. Alle Bilder sollen das reale Arbeitsleben in einer Kita darstellen, nicht nur die mit Kindern, sondern auch die am Computer.
Raiser und Gessner, beide 25, strahlen, als sie nach der Vorstellung über ihre Arbeit im Kindergarten sprechen. „Ich habe mich genau richtig entschieden, der Job macht mich glücklich“, sagt Leon Raiser. Er meint, nachdem er den Beruf gewechelt hat. Der junge Mann hatte zuvor Hotelfachkaufmann gelernt und mit dem Abschluss festgestellt, dass die Welt in Hotel und Gastronomie doch nicht seine ist, erzählt er im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Eine Welt, so sagt er, in der die Kunden meinten, „mit Geld kann man sich alles erlauben“. Er sei nun am Ende seines zweiten Ausbildungsjahres und hoffe, danach übernommen zu werden in der Mainzer Kita Sandflora. Die Chancen angesichts des großen Fachkräftemangels stehen sehr gut. Diese Kita im Stadtteil Gonsenheim mit ihrem hohen Migrationsanteil war Schwerpunkt des eintägigen n Fotoshootings für die Werbekampagne. In einer der größten Mainzer Kitas arbeiten eigenen Angaben nach 25 pädagogische Fachkräfte, fast alles Frauen – und zwei Männer. Dominik Gessner, dort seit zwei Jahren Erzieher, findet es wichtig, dass Kinder auch in Kita und Grundschule männliche Rollenbilder erleben können.
Bei der Erarbeitung der millionenschweren Kampagne hatte das Ministerium eine Offenbacher Werbeagentur engagiert. Eingebunden wurden unter anderem auch der Vertreter des kommunalen Kita-Trägers in Weißenthurm, die Leiterin jener Kita in Mainz-Gonsenheim, der Kita-Landes-Elternausschuss sowie der Kitafachkräfteverband des Landes. Dessen Vorsitzende Claudia Theobald, Erzieherin in Haßloch, ist für ihre kritischen Töne bekannt.
Sie übergab Ministerin Hubig auf dem Podium eine Flasche Cabernet Blanc aus der Pfalz mit den Worten: „Aussehen und Inhalt müssen stimmig sein.“ Will heißen: Die reale Arbeitswelt, in die junge Menschen mit emotionalen und schicken Fotos geholt werden sollen, müsse verbessert werden. Dazu brauche es Anstrengungen von allen. Und noch deutlicher sagte sie: „Das Thema Kita muss Chefsache werden.“ Als Hubig später wieder zum Mikrofon greift, meint sie: „Die mahnenden Worte habe ich wohl vernommen.“
Theobald und auch die oberste Kita-Elternsprecherin im Land, Karin Graeff, fordern schon länger, dass Kindergärten auch mehr Personal bekommen: dass der Personalschlüssel, also die Anzahl an Kindern, für die eine Erzieherin, eine Erzieher zuständig ist, weiter gesenkt werden muss. „Das wird kommen“, sind sich beide einig. „Die Frage ist nur, wer das bezahlt.“ Aktuell befinden sich in Rheinland-Pfalz knapp 6000 Frauen und Männer in einer Erzieher-Ausbildung, ein Drittel davon wird laut Ministerium jedes Jahr fertig. Das sind bisher allerdings nicht genug, um den Bedarf zu decken.
Mit den Werbeplakaten sollen mehr als eine Million Menschen erreicht werden, so Ministeriumssprecherin Madeleine Reccius. Dafür seien landesweit vor allem Online-Tafeln gebucht worden. Und es gibt einen Instagram-Auftritt.