Mainz / Kusel RHEINPFALZ Plus Artikel Weniger Geldautomaten für mehr Sicherheit?

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Moderne Panzerknacker haben ihre Raubzüge auf die Pfalz ausgedehnt: Achtmal sprengten sie im vergangenen JahrGeldautomaten zwischen Glan-Münchweiler und Berg. Weniger Geld vorhalten, Automaten nachts sperren oder ganz abbauen: All das wird Kunden nicht begeistern. Hilft es, Geldscheine mit Farbe wertlos zu machen?

Es ist ein trauriger Rekord: 56 Geldautomaten wurden im vergangenen Jahr in Rheinland-Pfalz gesprengt – acht davon in der Pfalz. Bei jeder zweiten Sprengung erbeuten die Täter Geld. Das stetig rabiatere Vorgehen der Kriminellen brachte nun die Banken im Land und das Innenministerium an einen Tisch. Die große Frage lautet: Wie kann man den modernen Bankräubern das Leben schwer machen?

Die Banken und Sparkassen sind sich mit Innenminister Michael Ebling (SPD) einig, dass etwas passieren muss. Revolutioniere Vorschläge liegen bisher aber nicht auf dem Tisch.

Seit 2017 (23 Fälle) ist die Zahl der Sprengungen bis 2020 (35 Fälle) stetig angestiegen. Dann kam die Ausnahme: 2021 gab es mit 23 Sprengungen zwischenzeitlich einen Rückgang – wegen der Flut im Ahrtahl. Bastian Kipping vom Landeskriminalamt Rheinland-Pfalz (LKA) nennt den Grund: „Auch die Autobahn 61 war damals stellenweise stark beschädigt und zeitweise gesperrt. Das hat eine für die Täter wichtige Fluchtroute unterbrochen.“ Die A61 führt in nordwestlicher Richtung direkt in die Niederlande. Von dort sollen viele der Bankräuber kommen.

Banken versuchen aufzurüsten

Die Banken versuchen, den neuzeitlichen Panzerknackern das Leben schwerer zu machen, indem sie die Automaten aufrüsten – und die Räume, in denen sie stehen. Laut Sparkassenverband werden die Automaten zum Beispiel so ausgestattet, dass die Geldscheine mit Farbe besprüht werden, sobald ein Automat gewaltsam geöffnet wird. Auch bessere Videoüberwachung und Alarmanlagen sollen abschrecken. Manche Banken und Sparkassen behelfen sich damit, dass sie den Zugang zu den Automaten in der Nacht sperren. Was wo wie angewandt wird, entscheiden die Banken laut Verband für jeden Standort individuell.

Das Landeskriminalamt hat bisher Einfärbesysteme nicht ausdrücklich empfohlen, da die Geldscheine nicht bei jeder Sprengung auch wirklich Farbe abbekamen. Mittlerweile rät das LKA zu. Färbesysteme sind in Deutschland noch nicht zertifiziert, sprich: vom Tüv oder Instituten für Unternehmenssicherheit auf Herz und Nieren geprüft. Deshalb verwenden manche Banken hierzulande beispielsweise ein in Portugal zertifiziertes System.

Automaten werden auch abgebaut

Bastian Kipping nennt Maßnahmen, die sehr schnell umgesetzt werden können: weniger Geld in den Automaten bereithalten, den Zugang zum Automaten nachts sperren oder den Automaten ganz abbauen. Nichts, was im Sinne der Kunden ist.

Standorte gänzlich schließen: Dazu entschloss sich zuletzt die Volksbank Kaiserslautern. Am 9. Januar wurde einer ihrer Automaten in Schönenberg-Kübelberg ausgeraubt. Das Geldinstitut teilte auf Anfrage mit, dass es einen Automaten an diesem Standort nicht besser schützen könne. Es werde ihn deshalb nicht ersetzen. Die Bank verweist ihre Kunden auf Automaten im Umkreis.

Manchmal ist es auch der Vermieter, dem es mulmig wird. Obwohl die VR-Bank Trier bisher von den Sprengern verschont blieb, kündigten Vermieter ihr den Vertrag für den Standort – wegen Sicherheitsbedenken. Man könne das nachvollziehen, teilte die Bank auf Anfrage mit.

Zuletzt wurde bei einer Sprengung in Koblenz ein Wachmann verletzt. Es ist allerdings aus Kippings Sicht nur eine Frage der Zeit, bis es mehr Verletzte oder gar Tote gibt. Denn der verletzte Wachmann in Koblenz oder eine wilde Verfolgungsjagd bei Mainz, die in einem Unfall endete, zeigten, dass die Täter immer rabiater werden.

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