PFALZ
Warum Weinkönigin Lea Baßler stolz ist, ein „Pälzer Mädel“ zu sein
Frau Baßler, ein Jahr als Pfälzische Weinkönigin vergeht schnell. Sie sind schon seit etwa einem halben Jahr im Amt. Wie erleben Sie es?
Es ist eine große Ehre, ein ganzes Weinanbaugebiet im Team vertreten zu dürfen. Wir haben in der Pfalz so viel zu bieten: Kultur, Herzlichkeit, Lebensfreude und ein breites Spektrum an Weinen. Sortentypisch, aber dennoch immer individuell durch die jeweilige Handschrift des Winzers oder der Winzerin. Das macht die Weinkultur bei uns so spannend. Es sind solche Besonderheiten, die ich über die Pfälzer Grenzen hinaus trage und anderen näher bringen möchte.
Was sind die Stärken des Anbaugebiets? Haben Sie auch neue Seiten an der Pfalz entdeckt?
Die Pfälzer zeichnen sich für mich durch Lebensfreude, Liebe zur Heimat und Kultur sowie die lockere und herzliche Art der Menschen aus. Ich bin stolz, ein ,Pälzer Mädel’ zu sein. Unsere Mentalität hat mich geprägt und mein ganzes Leben lang so positiv begleitet. Dazu kommen die tollen Weine, die sich immer wieder anders im Glas präsentieren und leckeres, deftiges Essen wie Leberknödel. Die sorgen bei mir für Heimatgefühle. Meine Sicht der Pfalz hat sich nicht verändert.
Wohin ist Ihre bisher weiteste Reise gegangen und wie wird die Pfalz anderswo wahrgenommen?
Bis jetzt war das wohl Belgien. Bei einer Tischpräsentation deutscher Weinanbaugebiete durfte ich gemeinsam mit Pfälzer Winzerinnen und Winzern unsere Weine präsentieren. Die Pfalz wird sehr stark mit Riesling assoziiert, aber eben nicht nur mit dem fruchtig, leichten Typ, sondern auch mit mineralischen Rieslingen mit salziger Note. Wir sind weiterhin die Riesling-Profis, aber die Variabilität ist größer geworden.
Mit der Messe „Wein am Dom“ steht eine der wichtigsten Veranstaltungen für Sie an. Verraten Sie etwas über die Tropfen, die es zu verkosten gibt?
Es wird auf jeden Fall lecker. Aber zu viel möchte ich nicht vorweg nehmen. Wenn man eine grobe Übersicht bekommen möchte, sind die WineWalks von unserem Team Pfalz sicher ein guter Start. Aber an sich lohnt es sich einfach, an den Ständen der Weingüter vorbei zu gehen, sich mit den Erzeugern zu unterhalten und sich von dem breiten Angebot überraschen und überzeugen zu lassen.
Sie haben der Fachjury angehört, die für „Wein am Dom“ 300 Weine verkostet haben. Wie schafft man ein solches Pensum an einem Tag?
Lecker, jung, spritzig und jetzt schon eine super Trinkreife: Das versprechen die Weine aus dem Jahrgang 2022. Beim Bewerten der Weine wird von den Proben nur wenig hinuntergeschluckt. Das Meiste wird nach dem Verkosten in die Gefäße gespuckt, die bei Weinproben immer auf den Tischen stehen. Es erfordert hohe Konzentration, Kopf und Zunge immer wieder zu neutralisieren.
Wird es in Speyer hauptsächlich Weine von 2020 und 2021 geben?
Nein. Vielmehr ist es ein guter, bunter Mix aus Weinen der Jahrgänge 2019 bis 2022. 2019 gab es tolle Rotweine. Und der Jahrgang 2021 hat durch seine eher hohe Säure jetzt gerade eine super Trinkreife im Glas entwickelt und hat ein langes Lagerpotenzial.
Haben Sie in Ihrer Amtszeit eine Sorte für sich entdeckt, die bei Ihnen bisher eher nicht ins Glas kam?
Bei mir darf jeder Wein ins Glas kommen. Mir geht es darum, wie sich jeder einzelne Wein, den ich probiere, für sich im Glas präsentiert. Ich bewerte jeden Wein ganz unvoreingenommen. Ansonsten entscheidet der Anlass oder das Essen, zu welchem Wein ich greife.
Welche Rotweinsorten werden in der Pfalz in Zukunft eine Rolle spielen?
Ich glaube, dass angesichts des Klimawandels die Bedeutung des Cabernet bei uns noch stärker wird. Es hat sich bereits gezeigt, dass wir uns auch bei diesen Sorten nicht zu verstecken brauchen. Mit steigenden Temperaturen werden sie noch viel mehr Potenzial bieten. Aber auch Sorten wie der Merlot oder der Syrah werden bei uns schon sehr gut ausgebaut und sorgen für Genuss im Glas.
Der Sommer steht vor der Tür. Werden Cuvées und Rosé-Weine weiter in der Gunst der Verbraucher steigen?
Cuvées darf man nicht unterschätzen. Welche Weine Winzer miteinander kombinieren, ist eine echte Herausforderung und eine Kunst. Die Weine müssen zusammenpassen und im idealen Verhältnis zueinander abgestimmt werden. Das erfordert viel Zeit, Hingabe und Probieren. Und unsere Rosé-Weine müssen sich auch nicht verstecken. Von leicht bis kräftig sorgen sie für ein feines Aromaspiel am Gaumen und in der Nase.
Was denken Sie über alkoholfreien Wein, trinken Sie welchen?
Das ist ein unterschätztes Thema. Wenn ich Auto fahre, trinke ich lieber einen entalkoholisierten Wein als einen süßen Softdrink oder immer nur Wasser. Da treffen diese ,Weine’ mehr meinen Geschmack und sind deutlich erfrischender. Im Sommer greife ich in gemütlicher Runde sehr gerne zu einem alkoholfreien Secco oder Sekt.