Rheinland-Pfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Umweltministerium: Weitere Wölfe werden kommen

Nach der Rückkehr des Wolfs wird heftig gestritten.
Nach der Rückkehr des Wolfs wird heftig gestritten.

Mit der wachsenden Anzahl an Wölfen stieg in Rheinland-Pfalz auch die Anzahl der durch ihn gerissenen Nutztiere. Vorläufiger Höhepunkt war 2021, seit 2022 ist erstmals auch die Pfalz betroffen. Von einem „Problemwolf“ geht das Umweltministerium aber nicht aus.

Nach der Ansiedlung eines Wolfsrudels im Westerwald ist laut Umweltministerin Katrin Eder (Grüne) „davon auszugehen, dass der Bestand weiter ansteigt und weitere Landesteile dauerhaft besiedelt werden könnten“. Mit einzelnen Tieren und auch Rudeln sei künftig in allen Landesteilen zu rechnen, so die Ministerin auf eine Große Anfrage der Freien Wähler im Mainzer Landtag.

Nach 153 Jahren Abwesenheit sei der Wolf (Canis lupus) 2012 auf eigenen Pfoten hierher zurückgekehrt. Die neue Präsenz des Wildtieres sei „ein erfolgreiches Beispiel der Wiederbesiedlung eines Teils der ursprünglichen mitteleuropäischen Fauna“. Naturschützer freuen sich, Schäfer weniger – Canis lupus hat in Rheinland-Pfalz in den vergangenen Jahren schon etliche Nutztiere gerissen.

Laut Ministerium gab es zwischen 2016 und 2018 insgesamt 16 Übergriffe von Wölfen auf Nutztiere – vor allem auf Schafe, Ziegen und Damwild. In 2019 dann 13, 2020 waren 23 gerissene oder verletzte Tiere zu verzeichnen; der vorläufige Höhepunkt war 2021 mit 101 geschädigten Nutztieren – allesamt im Landesnorden.

Nur ein sesshaftes Rudel im Westerwald

Dort, im Westerwald, lebt die vorerst einzige sesshafte Familie der streng geschützten Tiere, das Leuscheider Rudel. Es besteht dem Umweltministerium zufolge aus bis zu 13 Wölfen: den Eltern sowie ihren 2020 und 2021 geborenen Nachkommen. Dessen mutmaßlicher Leitwolf GW1896m war laut Koordinationszentrum Luchs und Wolf (Kluwo) in Trippstadt im Kreis Kaiserslautern bis August an den Rissen von 20 Schafen und Ziegen beteiligt. Entsprechend geht die Expertin der Naturschutz-Initiative in Quirnbach, Westerwald, Gabriele Neumann, davon aus, dass das Leuscheider Rudel „leider bereits auf Nutztiere konditioniert ist“, wie sie bereits im Sommer sagte.

Durchziehende Wölfe wurden aber auch im Hunsrück, in der Eifel und im Pfälzerwald nachgewiesen, in der Pfalz schlug der Beutegreifer in diesem Jahr erstmals nachweislich bei Nutztieren zu. Von landesweit seit Jahresanfang 48 betroffenen Nutztieren (Stand August 2022) sind laut Ministerium 15 im Juli und August unserer Region zuzuordnen. Allein 13 gehen auf das Konto des Rüden mit der Kennzeichnung GW2886m: Seine blutigen Spuren hinterließ er in Carlsberg (Kreis Bad Dürkheim), Martinshöhe (Kreis Kaiserslautern) sowie Fischbach bei Dahn, Schmittshausen und Rosenkopf (alle Kreis Südwestpfalz); am 23. Juli tappte er im Kreis Bad Dürkheim in eine Foto-Falle.

Für die Ministerin gibt es keine Problemwölfe

Manche bezeichnen den Leitwolf des Rudels im Landesnorden als „Problemwolf“. Der Vorsitzende des Kreisbauernverbands Neuwied, Hans-Peter Hallerbach, etwa hatte dessen Abschuss gefordert. Die Ministerin dagegen sagt, dass es im Land keinen Problemwolf gebe – und definiert einen solchen so: der sich „Menschen nähert oder wolfsgesicherte Zäune überwindet“. Solche Tiere können nach Eders Worten, falls andere Maßnahmen nicht helfen, letztlich ausnahmsweise getötet werden. Wolfgerechte Zäune haben laut Ministerium die wenigsten betroffenen Tierhalter.

Bezuschusst werden die Sicherungen nur in ausgewiesenen Präventionsgebieten. In Rheinland- Pfalz gibt es aktuell drei derartige Zonen (etwa der Westerwald) und eine Pufferzone – keine jedoch in der Pfalz. Andere Gebiete erfüllten die Kriterien für die Ausweisung nicht. 1,3 Millionen Euro Fördergelder seien bisher geflossen. Für von Wölfen getötete oder verletzte Nutztiere habe das Land Tierhaltern seit 2015 freiwillig Entschädigungen gezahlt: In diesem Jahr bisher 3250 Euro landesweit, der größte Betrag ging mit 1400 Euro in die Südwestpfalz. Betroffene kritisieren dies als zu niedrig, da auch der Rest der Herde nach Wolfsangriffen gestresst sei.

Für Ministerin Eder ist soweit die Wolfs-Welt in Ordnung: Der Wolfsmanagementplan des Landes von 2015 für „ein friedvolles Miteinander von Wolf und Mensch“ werde derzeit überarbeitet. Und Anzeichen für Mischlingsnachwuchs aus Wolf und Hund gebe es nicht. Solche Tiere könnten weniger scheu und damit gefährlicher als Wölfe sein.

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