Rheinland-Pfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Studie: Ungeimpfte kaum erreichbar

Landesimpfkoordinator Daniel Stich.
Landesimpfkoordinator Daniel Stich.

Im September oder Oktober erwartet der rheinland-pfälzische Impfkoordinator Daniel Stich (SPD) einen auf die Omikron-Variante angepassten Corona-Impfstoff. Das sagte Stich am Dienstag in Mainz. Gleichzeitig stellte er eine Studie vor, wonach mehr als die Hälfte der Ungeimpften kaum für eine Impfkampagne empfänglich sei.

„Das Thema Impfen ist der Schlüssel, um aus der Pandemie in eine endemische Lage zu kommen“, sagte Stich. Er hoffe, die Impflücken im Land weiter schließen zu können und kündigte im Herbst eine Booster-Kampagne mit dem neuen Impfstoff an, der nicht nur vor schweren Krankheitsverläufen sondern auch vor Ansteckung schützen soll. In Rheinland-Pfalz gelten derzeit 85 Prozent aller Erwachsenen als geimpft, 75 Prozent der Gesamtbevölkerung.

Wie sind Ungeimpfte für staatliche Kampagnen zu erreichen?

Um der Frage nachzugehen, wer die Ungeimpften in der Bevölkerung sind und wie diese durch eine gezielte Ansprache für Impfangebote erreichbar wären, hat das Land für 120.000 Euro eine Studie beim Berliner Institut „Pollytix“ in Auftrag gegeben. Zwischen März und Mai 2022 wurden 8600 Menschen im Land befragt, davon hätten 463 eine Impfung bisher abgelehnt, ohne dass es eine medizinische Indikation gegen das Impfen gab.

Mehr als die Hälfte dieser Personen ist für eine staatliche Impfkampagne nicht mehr erreichbar, sagte Jana Faus, Geschäftsführerin von „Pollytix“. 13 Prozent dagegen, vor allem junge Frauen, Eltern und Menschen in städtischen Wohnorten ließen sich mit passenden Angeboten durchaus von einer Impfung überzeugen. Bei jungen Frauen beispielsweise sei die Angst verbreitet, als Nebenwirkung der Impfung unfruchtbar zu werden. Stich sagte, an dieser Stelle solle möglichst mit Frauenärztinnen und -ärzten bei der Aufklärung zusammengearbeitet werden.

Unterschrift entbindet Hersteller nicht von der Haftung

Ein Informationsdefizit gibt es den Angaben nach auch in der Frage, was die Unterschrift bewirke, die Menschen bei der Impfung leisteten. Sie bedeute keineswegs eine Haftungsfreistellung für die Hersteller der Impfstoffe. An dieser Stelle müsse besser informiert werden. Zur Angst vor Nebenwirkungen sagte Stich, dass bei neun Millionen Impfungen in Rheinland-Pfalz bisher in drei Fällen Impfschäden anerkannt worden seien, insgesamt seien 244 Anträge gestellt worden.

52 Prozent der Ungeimpften weisen nach Faus’ Worten eine große Nähe zu Verschwörungsnarrativen und zum Antisemitismus auf, sie haben kaum Vertrauen in staatliche Strukturen und in herkömmliche Medien. Überrepräsentiert seien bei den Impfgegnern AfD-Wähler und -wählerinnen oder Menschen mit osteuropäischem Migrationshintergrund.

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