Pfalz Speyer – der neue Corona-Hotspot
Seit zwei Wochen ist die gesamte Pfalz Corona-Risikogebiet. Pirmasens und Zweibrücken lagen zwar zwischenzeitlich für wenige Tage noch einmal unter dem Schwellenwert für die Alarmstufe „Rot“ (über 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb der vergangenen sieben Tage), doch das war nur eine kurze Verschnaufpause.
Besonders dramatisch hat sich das Infektionsgeschehen in Speyer entwickelt. Die Anzahl der aktuellen Fälle hat sich binnen einer Woche verdoppelt: Von 150 auf 314. Der 7-Tage-Inzidenzwert stieg von 96,9 auf 367,9 am Montag (Stand: 14 Uhr). Damit gehört Speyer auch bundesweit zu den Städten mit den meisten Neuinfektionen in den zurückliegenden sieben Tagen: Nach einer aktuellen Auswertung des Internet-Portals „Zeit online“ von Montagabend lag Speyer sogar auf Platz 2 – hinter dem niederbayerischen Landkreis Freyung-Grafenau (395,6).
Stadt: Wegen Teststrategie niedrigere Dunkelziffer
Dass die Fallzahlen in Speyer derzeit so hoch sind, hat nach Angaben von Stadtsprecherin Annike Siebert mehrere Ursachen: Dies liege zum einen daran, dass sich in Speyer die Infektionen in der Aufnahmeeinrichtung für Asylbegehrende (AfA) wie auch eine große Anzahl an Infektionen in Seniorenheimen und auch Schulen in der Bilanz niederschlügen. Zum anderen verfüge Speyer über ein eigenes Abstrichzentrum und trage mit seiner Teststrategie damit sicher dazu bei, dass die Inzidenz so hoch ist. Diese Strategie sei aber der richtige Weg, denn auf diese Weise könnten Infektionsfälle rechtzeitig erkannt und Infektionsketten unterbrochen werden. Stadtsprecherin Siebert: „Die hohen Fallzahlen sprechen also dafür, dass Fälle aufgedeckt werden, und anzunehmen ist, dass die Dunkelziffer niedriger ist als in anderen Kommunen.“
Zur Eindämmung der Corona-Krise plant Speyer nun eine Maskenpflicht im öffentlichen Raum. Bisher hatte die Stadt sich gegen eine solche Auflage entschieden, wie sie zum Beispiel in Ludwigshafen schon verhängt wurde. Jetzt sei die Pflicht „leider ein notwendiger Schritt angesichts der steigenden Infektionszahlen“, so Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler. Die Maskenpflicht soll ab Mittwoch täglich von 8 bis 20 Uhr in der Maximilianstraße und umliegenden Bereichen gelten, wenn das Land zustimmt. Für die Zeit von 23 bis 6 Uhr ist ein Verbot von Alkoholverkauf geplant.
Saarland: Massagenpraxen dürfen wieder öffnen
Das Oberverwaltungsgericht des Saarlandes hat das coronabedingte Betriebsverbot für Kosmetikstudios und Massagepraxen aufgehoben. Die Schließung stelle mit Blick auf die Sicherungsmaßnahmen und Hygienekonzepte „voraussichtlich eine sachlich nicht gerechtfertigte Ungleichbehandlung“ im Vergleich zu anderen körpernahen Dienstleistern wie etwa Friseursalons dar, teilte das Gericht am Montag mit. Die Beschlüsse sind nicht anfechtbar.
Das ist nicht die einzige Änderung im Saarland: Denn dort ist seit Montag eine neue Verordnung zur Bekämpfung der Corona-Pandemie mit angepassten Regeln in Kraft. Demnach ist der Betrieb von Tattoo- und Piercing-Studios unter Einhaltung entsprechender Hygienekonzepte wieder zulässig. Betreiber von Tattoo- und Piercing-Studios hatten sich in der vergangenen Woche vor dem Oberverwaltungsgericht erfolgreich gegen die Schließung ihrer Betriebe während des Teil-Lockdowns gewehrt. Vom Betriebsverbot in der Gastronomie ausgenommen sind nun auch Rastanlagen an Bundesautobahnen und gastronomische Betriebe an Autohöfen.