Rheinland-Pfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Positiv oder negativ? Die lange Ungewissheit der Reiserückkehrer

Ein Helfer des Deutschen Roten Kreuzes bringt in der Teststation Bitburg Proberöhrchen, die für Tests auf das Coronavirus benöti
Ein Helfer des Deutschen Roten Kreuzes bringt in der Teststation Bitburg Proberöhrchen, die für Tests auf das Coronavirus benötigt werden. Bitburg ist eine der vier Einrichtungen in Rheinland-Pfalz, in denen sich Reiserückkehrer testen lassen können.

Auch in Rheinland-Pfalz kommt es zu Verzögerungen bei der Übermittlung der Corona-Testergebnisse von Reiserückkehrern – zum Ausmaß gibt es widersprüchliche Angaben. Das gilt auch für die aktuellen Zahlen zu den Neuinfektionen der Stadt Ludwigshafen. Wird die Lage unübersichtlich?

Ulrich Schäfer aus Neuhofen (Rhein-Pfalz-Kreis) kam am 8. August, das war ein Samstag, aus einem Corona-Nichtrisikogebiet zurück. Die Reise endete am Hunsrück-Flughafen Hahn. „Wir ließen uns dort freiwillig auf Corona testen“, sagt er. Bis zum gestrigen Sonntag, also auch acht Tage später, hat Schäfer keine Benachrichtigung erhalten, ob er positiv oder negativ getestet wurde. Das ist kein Einzelfall.

Rheinland-Pfalz hatte als Ergänzung der bestehenden Strukturen Anfang August vier weitere Teststationen speziell für Reiserückkehrer eingerichtet: am Flughafen Hahn sowie in Bitburg, Landau und am Rastplatz Markusberg an der Autobahn bei Trier. Bereits vergangene Woche hatte das Mainzer Gesundheitsministerium signalisiert, dass es bei der Information zu den Testergebnissen unterschiedliche Geschwindigkeiten gibt:

- Alle Personen, die positiv auf Covid-19 getestet wurden, würden „unverzüglich“ benachrichtigt.

- Ebenfalls mit hoher Priorität würden alle Personen informiert, die aus einem Risikogebiet kommen und ein negatives Testergebnis haben. Diese Personengruppe benötige ebenfalls eine schnelle Rückmeldung, da ein negatives Testergebnis Voraussetzung ist, um die bestehende Quarantäne zu beenden, hieß es beim Ministerium vergangene Woche.

- Alle Personen, die aus einem Nicht-Risikogebiet zurückkommen – also Fälle wie die Familie Schäfer aus Neuhofen – und ein negatives Testergebnis haben, bat das Ministerium „um Geduld“. Zur Begründung hieß es: Diese Reiserückkehrer würden ohnehin keinen einschränkenden Auflagen unterliegen. Die Krux dabei: Diese Informationsweise lässt Reiserückkehrer wie Ulrich Schäfer lange im Ungewissen, denn sie wissen ja gar nicht, dass sie negativ getestet sind.

Handschriftliche Erfassung der Kontaktdaten

Bundesweit in die Schlagzeilen geriet die unterschiedliche Prioritätensetzung in Rheinland-Pfalz erst am Samstag, als der Leiter des Gesundheitsamtes für Trier und Trier-Saarburg, Harald Michels, einräumte, es sei schwer zu schaffen, alle negativen Befunde zeitnah herauszugeben. Das liege auch daran, dass alles mit Papier gemacht werde. Alle positiven Fälle seien aber sofort informiert worden – „da sind wir ganz nah an den Leuten“, sagte Michels: „Das ist hier nicht so wie in Bayern. Wir schaffen es nur nicht, die negativen Befunde zeitnah rauszugeben.“

Durch die Fülle der Tests komme es zum Arbeitsverzug, erklärte Michels. Es liege nicht „an uns als Gesundheitsamt“, sondern der Bund sei dafür verantwortlich. Es sei dringend notwendig, das deutsche elektronische Melde- und Informationssystem „mal auf Vordermann zu bringen, dass es funktioniert“.

Dass die Daten der Reiserückkehrer an den Teststationen zunächst handschriftlich erfasst werden, bestätigte am Sonntag die Sprecherin des Mainzer Gesundheitsministeriums auf RHEINPFALZ-Nachfrage: „Im Weiteren werden die Daten elektronisch erfasst beziehungsweise in die Software der Gesundheitsämter eingepflegt.“

Rheinland-Pfalz plötzlich in den Schlagzeilen

Rheinland-Pfalz wurde aufgrund der Äußerungen des Trierer Gesundheitsamts-Chef am Samstag in überregionalen Medien wie ZDF oder „Spiegel Online“ („Auch Rheinland-Pfalz hat Probleme mit Corona-Tests“) in einem Atemzug mit Bayern genannt, wo 44.000 Rückkehrer von Auslandsreisen nach Tests an den Autobahnen überlang auf ihre Ergebnisse warteten, darunter mehrere Hundert nachweislich Infizierte. Wohl deshalb veröffentlichte das Mainzer Gesundheitsministerium am Sonntag auf seiner Internetseite eine Stellungnahme, die den Eindruck einer Testpanne wie in Bayern entkräften sollte. Alle positiv getesteten Personen würden unverzüglich informiert. Diese Benachrichtigungen erfolgten telefonisch und „in der Regel innerhalb von zwei Tagen nach dem Test“.

Bisher wurden keine Fälle bekannt, die dies widerlegen. Etwas anders sieht es dagegen bei Reiserückkehrern aus einem Risikogebiet aus, die sich deshalb zunächst einmal in Quarantäne begeben müssen. Die Gesundheitsämter, in deren Zuständigkeit die vier neuen Reiserückkehrer-Testzentren Landau, Bitburg, Hahn und Trier fallen, arbeiteten mit Hochdruck daran, auch diese Personen zu informieren, erklärte das Gesundheitsministerium am Sonntag: Diese Benachrichtigungen erfolgten in der Regel innerhalb von drei bis vier Tagen, „sofern die getesteten Personen per E-Mail erreichbar sind“. Bei Betroffenen, die per Post informiert werden müssten, weil sie keine E-Mail-Adresse angegeben hätten, müsse die Dauer der Briefzustellung bei der Wartezeit mit einbezogen werden.

Ein Fall aus der Südpfalz: Warten auf Testergebnis

Bereits seit einer Woche wartet die Tochter von Christina Ksionsek-Schwarz (Wörth) auf ihr Testergebnis. Sie war mit Freunden am 29. Juli nach Katalonien gereist. Zwei Tage später wurde diese spanische Region zum Risikogebiet erklärt. Nach ihrer Rückkehr sei ihre Tochter direkt nach Landau zum Testzentrum gefahren. Das war am 9. August. Seit einer Woche harrt die Reiserückkehrerin nun schon aus, ohne den Testbefund zu kennen. „Es kann nicht sein, dass man so lange auf sein Ergebnis warten muss; man ist in Quarantäne und kann nicht zur Arbeit gehen“, sagt Christina Ksionsek-Schwarz.

Ihre Tochter habe mehrfach nachgefragt, doch in Landau habe man ihr gesagt, dass man nicht zuständig sei. „Unsere Freunde aus Hessen, die auch in Spanien waren, waren am Montag, 10. August in Hessen beim Test und hatten ihr Ergebnis am Mittwoch, 12. August; genauso erging es Bekannten aus dem Saarland, die hatten auch innerhalb von zwei Tagen ihr Ergebnis“, wundert sich Christina Ksionsek-Schwarz über die Verzögerungen in Rheinland-Pfalz.

Verwundert zeigte sich die Wörtherin auch über die Aussagen des Mainzer Ministeriums, die Betroffenen würden per E-Mail benachrichtigt. Auf dem Formular in der Landauer Teststation habe nur eine Telefonnummer und die Postanschrift angegeben werden können.

Ludwigshafen: Unter oder über dem Schwellenwert?

Widersprüchlich sind auch die Angaben zur Anzahl der Neuinfektionen in der Stadt Ludwigshafen. Liegen sie über dem Schwellenwert von 25 Fällen in den vergangenen sieben Tagen pro 100.000 Einwohner, müssen in den Schulen unter Umständen mehr Einschränkungen angeordnet werden als üblich, wie der neue Schul-Hygieneplan des Landes festlegt. So könnte es dort dann beispielsweise auch zu einer Maskenpflicht im Unterricht kommen.

Von Mittwoch bis Freitag war dieser Schwellenwert in Ludwigshafen mit 27 Fällen jeweils überschritten worden, für Samstag meldete das Mainzer Gesundheitsministerium für Ludwigshafen dann eine Rate von 21 Fällen, für Sonntag von 16 Fällen. „Zeit Online“ nennt für Ludwigshafen dagegen für Samstag wie für Sonntag einen Wert von 28,1. Der Internetauftritt der Wochenzeitung gibt einen aktuellen bundesweiten Überblick über die Ausbreitung des Coronavirus und das Portal wertet dazu mehrfach täglich verschiedene Quellen aus.

Ungeachtet dieser unterschiedlichen Zahlenangaben hatte das Gesundheitsamt des Rhein-Pfalz-Kreises bereits am Freitag entschieden, dass in Ludwigshafen die Schulen am Montag ohne weitere Extraauflagen öffnen dürfen.

Mehr zum aktuellen Stand der Ausbreitung des Coronavirus in der Pfalz steht hier.

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