Rheinland-Pfalz Kommentar: Vergaloppiert

Die Bronze-Pferde sind jetzt Zebras.
Nicht jeder, der einen Tieflader hat, sollte damit Kunst transportieren – und schon gar nicht ohne einen Profi.
Man kann darüber diskutieren, ob es okay ist, die Hitler-Pferde auszustellen. Worüber man aber gar nicht erst diskutieren muss, ist der richtige Umgang mit den beiden Kunstwerken, deren Wert auf bis zu mehrere Millionen Euro geschätzt wird. In einer Hau-Ruck-Aktion wurden die Hengste von Josef Thorak kurz nach deren Entdeckung in Bad Dürkheim auf einen Tieflader gehievt und mit ungepolsterten (!) Spanngurten festgezurrt. „Ich glaub’, mich tritt ein Pferd“, hätte jeder Kunstkenner beim Anblick des Vorgehens gedacht. Hätten die THW-Helfer ein Auto mit einem Pferdchen auf und vielen Pferdestärken unter der Motorhaube von A nach B bringen müssen – sie hätten ihm bestimmt nicht einfach so ein „Lasso“ übergeworfen. Die beschädigte Patina – keine Dreckschicht, sondern wichtiger Teil des Kunstwerks – kann von Restauratoren zwar repariert werden. Doch so ein Eingriff ist auch immer ein Eingriff in das Original. Das ist vergleichbar mit einem Auto, das nach einem Zusammenprall trotz Reparatur als Unfallfahrzeug plötzlich weniger wert ist. Man hätte anstelle eines „fachkundigen Beamten“ einen Kunstprofi hinzuziehen müssen. Da ist mit den Kunstermittlern wohl der Gaul durchgegangen.