Rheinland-Pfalz
Kerosin-Studie: „Wir machen keine Gefälligkeitsgutachten“
Vehement verteidigte Martin Schmied vom Umweltbundesamt am Freitag in Mainz die Kerosin-Studie seiner Behörde: „Wir machen keine Gefälligkeitsgutachten.“ SPD-Landtagsfraktionschef Alexander Schweitzer hält auch nach Veröffentlichung der Expertise „langfristige Messungen vor Ort“ für notwendig.
Unkritisch für Mensch und Umwelt – so lautet das Fazit der Untersuchung des Dessauer Umweltbundesamtes (UBA) zu den Kerosin-Ablässen von Flugzeugen über dem Pfälzerwald. „Wenn wir der Meinung wären, dass eine Umweltgefahr besteht, dann würde ich das auch sagen“, versichert UBA-Abteilungsleiter Martin Schmied beim Fachgespräch der SPD-Landtagsfraktion. Kritiker halten dagegen: Die Auswirkungen von Regenfällen auf Kerosin-Ablässe seien in der Untersuchung nicht berücksichtigt, bedauert Rudolf Ahrens-Botzong von der Initiative Pro Pfälzerwald. Das bestreitet Schmied nicht. Aber, so der Dessauer Experte gegenüber der RHEINPFALZ: „Selbst wenn Sie die Schadstoffmengen verdoppeln, die nach unseren Berechnungen im schlimmsten Fall unten ankommen, würden die Richtwerte nicht überschritten.“
Berechnungen, keine Messungen
Fragen bleiben auch aus Sicht des Mainzer Toxikologen Bernd Kaina. Die genaue Zusammensetzung des Kerosins legen die Hersteller nicht offen: Betriebsgeheimnis. Unbeantwortet bleibt laut Kaina in der Studie auch die Frage, ob es zu Wechselwirkungen bestimmter Inhaltsstoffe des Jet-Treibstoffs kommen kann, ob sich einzelne Kerosinbestandteile im Boden abbauen oder ob sie sich womöglich anreichern. Die Studie beruht auf Berechnungen, nicht auf Messungen, bemängelt Günther Ramsauer, SPD-Fraktionsvorsitzender im Bezirkstag Pfalz. Solange es keine Messungen gebe, werden die Ängste der Menschen in den besonders betroffenen Gebieten der Pfalz nicht auszuräumen sein. Zwei weitere Messanlagen „reichen da bei Weitem nicht aus“. Wie berichtet, wurden zusätzlich zu der bestehenden Anlage am Hortenkopf im Pfälzerwald auch die Messstationen bei Dunzweiler an der Grenze zum Saarland und bei Leisel im Hunsrück um die Fähigkeit erweitert, Kohlenwasserstoff-Verbindungen, zu denen Kerosin zählt, in der Luft aufzuspüren. Die Pfalz, die Eifel und der Hunsrück sind seit Jahrzehnten Hauptablassgebiete in Deutschland, stellt SPD-Fraktionschef Alexander Schweitzer fest. Die Frage, ob und was sich dort an Kerosin-Rückständen angesammelt hat, bleibe in der UBA-Untersuchung unbeantwortet. Deshalb seien langfristige Messungen des Bodens und der Luft nötig. Auch Schweitzer plädiert dafür, über die vorhandenen drei Stationen hinaus weitere Messpunkte einzurichten. Auch müsse die Luftfahrtindustrie forschen, damit Langstrecken-Jets in Notfällen künftig keinen Treibstoff mehr ablassen müssen.
Messnetz: Verhältnis von Kosten und Nutzen
UBA-Experte Schmied gibt zu bedenken: Messwerte existieren deshalb nicht, weil es von Faktoren wie Wind und Temperatur abhänge, wo das Kerosin runterkomme. Um etwas messen zu können, müsste ein „sehr, sehr dichtes Messnetz aufgebaut werden“. Das sei eine Frage des Verhältnisses von Kosten und Nutzen. Die Empfehlung der Studie, Kerosin künftig über wechselnden Gebieten abzulassen, unterstützt Schweitzer nachdrücklich. Allerdings, so der westpfälzische SPD-Bundestagsabgeordnete Gustav Herzog, hat ein Vertreter des Bundesverkehrsministeriums vor Kurzem im Verkehrsausschuss des Bundestages deutlich gemacht: Wenn laut der Studie keine Grenzwerte überschritten würden, gebe es für einen solchen Wechsel keinen zwingenden Grund. Das UBA-Gutachten liegt nun seit gut zwei Wochen auf dem Tisch, reagiert CDU-Landtagsfraktionschef Christian Baldauf auf das SPD-Fachgespräch. Statt zu reden, müsse die Landesregierung im Pfälzerwald zusätzliche Messstellen schaffen.
