Rheinland-Pfalz
Kein Corona-Bonus im Abitur
Für rund 9500 Schüler an rheinland-pfälzischen G9-Gymnasien und rund 3000 Schüler an Integrierten Gesamtschulen wird es ab Donnerstag ernst: Vom 7. bis 27. Januar finden landesweit die schriftlichen Prüfungen des Abiturs statt. Während sich die restlichen Schulklassen im Fernunterricht befinden, herrscht für die 13. Klassen bei den Prüfungen Anwesenheitspflicht.
In der Pandemie gelten dafür besondere Regeln, die im Hygieneplan-Corona für die Schulen in Rheinland-Pfalz festgelegt sind. Wie bereits vor den Weihnachtsferien, als in den Schulen noch regulärer Unterricht stattfand, bedeutet das unter anderem: Maskenpflicht abgesehen vom festen Sitzplatz und regelmäßiges Lüften. In einem Brief an die Schulleiter empfahl das Bildungsministerium, bei den Abitur-Prüfungen solle „noch stärker als ansonsten üblich auf sehr sorgfältige Hygiene- und Reinigungsmaßnahmen sowie auf einen großen Abstand der Schülerinnen und Schüler (möglichst mindestens zwei Meter) geachtet werden“.
Prüfungen in der Turnhalle
Am Ludwigshafener Carl-Bosch-Gymnasium sei das kein Problem, vermeldet Schulleiter Ulf Boeckmann. Die 114 Schüler der 13. Stufe schreiben ihre Prüfungen in der Turnhalle. „Die ist praktischerweise im vergangenen Jahr saniert worden. Wir können gut lüften und die Heizung funktioniert.“ Überlegungen, die Schüler in kleineren Gruppen in mehrere Säle aufzuteilen, habe man wieder verworfen. „Die Abstände können wir gut einhalten. Die Turnhalle ist groß genug und war da einfach die bessere Alternative.“
Wie die mündlichen Prüfungen im März ablaufen, werde man sehen, so Boeckmann. „Letztes Jahr waren die Umstände mit Corona ähnlich – das wäre also nicht neu.“ Die Vorbereitungen für das schriftliche Abitur hätten in diesem Jahr nur unwesentlich mehr Aufwand bedeutet als in den Vorjahren, bilanziert Boeckmann.
Etwas anders schätzt das sein Kollege aus Kaiserslautern ein. „Das war schon mehr Arbeit“, berichtet Roland Frölich, Schulleiter am Hohenstaufen-Gymnasium. Dort werden im Januar 99 Schüler geprüft – auch in der Turnhalle. „Dafür haben wir ein Einbahnregelsystem entwickelt: In der ersten Halle können die Schüler ihre Sachen ablegen, im Zwischenraum wird desinfiziert und in der zweiten Halle finden die Prüfungen statt.“
„Zwiebellook“ empfohlen
Auch für den Fall, dass ein Schüler im Nachgang positiv auf das Coronavirus getestet wird und das Gesundheitsamt die Kontakte nachverfolgen muss, sei vorgesorgt. „Wir haben ein Farben- und Nummernsystem für die Sitzplätze.“ Die Schule empfehle den jungen Leuten zudem, die Mund-Nasen-Bedeckung auch während der Prüfung zu tragen. Ein Muss sei das aber nicht, die Maskenpflicht gelte nur bis zum Sitzplatz.
Für einen regelmäßigen Luftaustausch in der Halle des Hohenstaufen-Gymnasiums sorgt eine entsprechende Anlage. „Durch die Frischluft kann es auch mal etwas kühler werden. Wir haben den Schülern den ,Zwiebellook’ empfohlen – da können sie dann einfach einen Pullover an- oder ausziehen.“
Neben erhöhten Hygieneregeln gebe es noch andere coronabedingte Änderungen. „Normalerweise werden die Prüfungsfragen feierlich vor den Schülern aus den Umschlägen gezogen. Das findet dieses Jahr nur mit den Lehrern statt, damit schon alles vorbereitet werden kann bis die Schüler kommen“, erklärt Frölich.
Kein Corona-Bonus vorgesehen
Mit einem inhaltlichen Corona-Bonus können die angehenden Abiturienten bei den diesjährigen Prüfungsfragen aber nicht rechnen, stellt ein Sprecher des Bildungsministeriums klar. „Große Teile des Unterrichts- und damit des Prüfungsstoffes wurden bereits in der Qualifikationsphase in den zurückliegenden Schuljahren vermittelt. Durch das Bekenntnis zum Präsenzunterricht konnte in Rheinland-Pfalz außerdem viel Unterrichtsstoff durchgenommen werden“, heißt es aus dem Ministerium. Den Schülern seien keine Nachteile entstanden. Eine geringere Anzahl der Prüfungsfragen, eine Verlängerung der Bearbeitungszeit oder leichtere Aufgabenstellungen gibt es somit nicht. Auch eine Aufwertung des Abiturschnitts für Numerus-Clausus-Studiengänge sei nicht vorgesehen.
Immerhin: Dass das Abitur in Rheinland-Pfalz im Vergleich zu anderen Bundesländern zum großen Teil dezentral geschrieben wird, habe jetzt einen Vorteil, sagt Schulleiter Frölich. Die meisten Prüfungsfragen werden von den jeweiligen Fachlehrern eingereicht – nur in den Hauptfächern Mathematik, Deutsch, Englisch und Französisch gibt es zentrale Elemente, die in allen Bundesländern gleich sind. „In dieser Situation ist das dezentrale Abitur gut. Denn unsere Fachlehrer wissen am besten, welchen Stoff sie durchgenommen haben, und können dann die entsprechenden Inhalte abfragen.“