Rheinland-Pfalz Im gekaperten AfD-Netz

In einer ehemaligen Fangruppe des AfD-Politikers Alexander Gauland: Der Satiriker Shahak Shapira verkündet, dass die Parodie-Par
In einer ehemaligen Fangruppe des AfD-Politikers Alexander Gauland: Der Satiriker Shahak Shapira verkündet, dass die Parodie-Partei »Die Partei« den virtuellen Anhänger-Club gekapert hat.

Satiriker haben AfD-nahe Diskussionsforen bei Facebook unter ihre Kontrolle gebracht. Nun behaupten sie, dass die Partei Nutzer mit schmutzigen Tricks in die Fanclubs gelockt habe. Zwei Pfälzer sollen eine zentrale Rolle gespielt haben. Die AfD hingegen sagt: Es war alles ganz anders.

„Speyer/Bobenheim.“Schwarz-rot-golden glänzt das Herz, auf dem ein blauer AfD-Schriftzug prangt. Und ein Versprechen dieser Partei: „Für ein sicheres und gerechtes Deutschland und Europa“. Doch die Frau aus Bobenheim am Berg (Kreis Bad Dürkheim) stellt eine Warnung dazu, als sie das Bildchen am Sonntag um 15.29 Uhr bei Facebook hochlädt. „Seid vorsichtig“, schreibt sie: Die AfD-Anhänger sollen insgesamt 31 mit der Partei verbundene Facebook-Gruppen verlassen. Begründung: Die Internet-Clubs wurden „gestohlen“. Denn ein paar Stunden zuvor hat die von Redakteuren des Satiremagazins „Titanic“ gegründete Parodie-Partei „Die Partei“ stolz vermeldet, dass sich Aktivisten seit Monaten in die abgeschotteten Gruppen eingeschlichen haben. Dabei waren die Eindringlinge so gut getarnt, dass sie Administratoren-Rechte bekamen. Das bedeutet: Sie haben mittlerweile die Kontrolle. Und sie bestimmen ab sofort, was in den Foren verbreitet wird. Ihre Macht nutzen sie zunächst einmal, um die Gruppen mit insgesamt fast 180.000 Mitgliedern umzubenennen. Der Frauke-Petry-Fanclub verwandelt sich so in eine Anhänger-Vereinigung des „Partei“-Bundeschefs Martin Sonneborn, Gauland-Fans sind auf einmal Sympathisanten des farbigen Fußballers Boateng, und die Mitglieder der Gruppe „Heimat-Liebe“ gehören nun zu einem Nutzerkreis, der sich vorgeblich für die orientalische Kichererbsen-Paste Hummus begeistert. Doch die Aktivisten um den Satiriker Shahak Shapira haben mehr im Sinn als solche Witzeleien. Sie behaupten, dass die AfD ihre Anhänger im Internet mit anrüchigen Methoden ködere. Dabei geht es um zwei Pfälzer: die Bobenheimerin und den Speyerer AfD-Kreisvorsitzenden Benjamin Haupt. Und es geht um Bots, also um Internet-Profile, die auf den ersten Blick wie die Online-Auftritte echter Menschen wirken, hinter denen aber nur Computerprogramme stecken. Die können dann automatisiert Texte verbreiten, so für bestimmte Ideen werben und Anhänger sammeln. Die meisten deutschen Parteien haben versprochen, auf diese maschinelle Meinungsmache zu verzichten. Nur die AfD schwankte zunächst, ehe auch sie Herbst 2016 entsagte. Doch im Februar 2017 berichtete die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ über ein Netz mutmaßlicher Roboter-Profile, die AfD-nahe Inhalte bei Facebook verbreiteten. Tatsächlich tauchen schon damals als verdächtig benannte Nutzer auch in den nun gekaperten Gruppen auf. Und der Ober-Unterwanderer Shapira sagt: Alle 31 Online-Clubs wurden von Computerprogrammen gegründet, die nur vorgaben, Menschen zu sein, die aber trotzdem Freunde sammelten, sie in die Gruppen holten und ihnen dort Beiträge präsentierten, die ins Parteiprogramm passen. Anschließend seien aber doch noch echte Menschen ans Ruder gekommen: die Bobenheimerin und Haupt. Die Pfälzer hätten als Administratoren und Moderatoren AfD-kritische Aussagen anderer Nutzer gelöscht und so dafür gesorgt, dass Menschen mit abweichenden Meinungen nicht zu Wort kommen – ein manipulatives Treiben, über das, so jedenfalls deutet Shapira es an, der rheinland-pfälzische AfD-Landeschef Uwe Junge höchstpersönlich informiert gewesen sein dürfte. Also hat am Montag  auch der Landesverband auf die Vorwürfe der Unterwanderer reagiert. Ein Sprecher beteuert: Die AfD setze keine Roboter-Profile ein. Und die 31 Gruppen hätten in Wirklichkeit Gegner seiner Partei gegründet, „offensichtlich mit der Zielsetzung, später von einer ,Übernahme’ zu sprechen“. Die AfD-Bundesgeschäftsstelle habe deshalb sogar bei Facebook die Löschung der Gruppen beantragt – erfolglos. Andere Parteimitglieder hingegen hätten den Trick nicht durchschaut und sich „gutgläubig“ als Administratoren und Moderatoren eingebracht. Das passt zu dem, was die Bobenheimerin erklären lässt – aber nur in Teilen. Die in mehreren Ausschüssen des Bad Dürkheimer Kreistags sitzende Frau sagt, dass sie die Administratoren-Rolle in allen 31 Gruppen nach und nach übernommen habe – weil sie deren Gründer selbst gekannt habe. Und dass die Clubs nun von einer Frau gekapert wurden, die sich nachträglich eingeschlichen habe. Kaum mit Macht versehen, habe sie dann die Alt-Adminstratoren ausgesperrt. So blieb der Bobenheimerin nur ihr eigenes Profil, um am Sonntag vor den „gestohlenen“ Gruppen zu warnen. Und um zu schreiben: „Da ich dort Admin war bedanke ich mich für Eure gute Mitarbeit für unsere AfD.“

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