Rheinland-Pfalz
Eltern froh über Ende der Maskenpflicht in Schulen
Zwei Tage nach der Rückkehr zum Präsenzunterricht in voller Klassenstärke hat die rheinland-pfälzische Landesregierung am Dienstag Lockerungen der Maskenpflicht an Schulen beschlossen. Im Freien, also auf den Pausenhöfen, und am Sitzplatz im Klassenzimmer dürfen die Schülerinnen und Schüler die Masken abnehmen, ebenso die Lehrkräfte. Voraussetzung ist eine Inzidenz von weniger als 35 Infizierten pro 100.000 Einwohnern in sieben Tagen. Am Dienstag lagen nur die Städte Zweibrücken mit 43,9 und Mainz mit 37,5 oberhalb dieses Wertes.
Schulgemeinschaften können andere Regeln vereinbaren
Die Lockerung gilt ab Montag, die Hitzewelle der nächsten Tage müssen die Schulgemeinschaften noch mit Mund-Nasen-Schutz ertragen. Wer ihn trotz der Lockerung weitertragen möchte, kann dies tun. Schulgemeinschaften können außerdem beschließen, an den verschärften Maskenregeln festzuhalten.
Damit sei einer Forderung der Elternvertreter entsprochen worden, sagte Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD). Weil die Impfungen bei den Lehrkräften weit fortgeschritten und die Inzidenzen stark gesunken seien, könnten die Lockerungsschritte unternommen werden. Zum Stand 9. Juni waren von den 521.000 Schülerinnen und Schülern im Land 296 mit dem Coronavirus infiziert, unter 41.000 Lehrkräften gab es neun Fälle. Bereits seit Beginn des Wechselunterrichts nach den Osterferien müssen sich alle Schüler zweimal pro Woche selbst auf das Virus testen.
Elternvertreter fordern Lüftungsanlagen
Landeselternsprecher Reiner Schladweiler begrüßte die Lockerungen. Mit Blick auf den Herbst sagte er jedoch: „Wir dürfen uns nicht zurücklehnen.“ Notwendig seien weitere mobile Lüftungsanlagen in Klassenzimmern, auch sollten Plexiglasscheiben zwischen den Sitzplätzen installiert werden. Der öffentliche Nahverkehr müsse entzerrt werden.
Deutlich zurückhaltender reagierten die Betroffenen auf die Lockerung. Die Sprecherin der Landesschüler- und -schülerinnenvertretung, Julia Schäfer, sagte: „Wir sind uns im Vorstand einig, dass wir vorsichtig bleiben sollten.“ Für die Kinder an den Grundschulen sei der Wegfall der Maskenpflicht sehr sinnvoll, vor allem in Anbetracht der Hitze. Für die weiterführenden Schulen sei es sehr zu begrüßen, dass im Freien keine Masken mehr getragen werden müssten. In den Klassenräumen bedeute dies zwar eine Entlastung, aber es bestehe die Gefahr, dass die Inzidenz wieder steige, sagte die 17-Jährige, die eine Berufsbildende Schule in Mainz besucht.
Gefahr durch die Delta-Variante
Ähnlich vorsichtig ist der Philologenverband. „Wir haben nach wie vor große Klassen, wir sind nach wie vor in engen Klassenzimmern, wir haben nach wie vor keine Luftfilter. Wir möchten gerne vermeiden, dass es hier so geht wie in England, wo die Delta-Mutante sich nun trotz einer sehr viel höheren Impfquote schnell verbreitet“, sagte die Landesvorsitzende Cornelia Schwartz. Wichtig sei, dass der Unterricht nach den Sommerferien wieder starten könne.
„Ich sehe das unaufgeregt“, sagte der Landesvorsitzende der Gewerkschaft Bildung und Erziehung (GEW), Klaus-Peter Hammer. Die Inzidenzwerte lassen es nach seinen Worten zu, ein Stück weit zur Normalität zurückzukehren. Aber sobald die Werte wieder hochgehen, müssten Gegenmaßnahmen erfolgen.
Von mehr Normalität sprach auch Gerhard Bold, Landesvorsitzender des Verbands Bildung und Erziehung (VBE): „Über diese Erleichterung im Alltag können sich die Schülerinnen und Schüler und die Lehrkräfte freuen.“ Bold mahnte jedoch ein maßvolles Vorgehen mit Blick auf die Delta-Variante an.