OB-Wahl Kaiserslautern
Beate Kimmel: Vom Kind der Verwaltung zu deren Chefin
2006/07 wurde Weichel, der noch bis Ende August im Amt ist, zum Oberbürgermeister gewählt. Er setzte sich gegen Amtsinhaber Bernhard Deubig (CDU) durch. Seine Wahlkampfmanagerin hieß damals Beate Kimmel. Nun wird die 54-Jährige selbst Verwaltungschefin. Angetreten ist die amtierende Bürgermeisterin nach eigenen Angaben, um Kaiserslautern voranzubringen. Im Wahlkampf nutzte sie in diesem Zusammenhang immer wieder das Wort „gemeinsam“.
Gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern der Stadt, mit denen sie als Bürgermeisterin bei Marktgesprächen oder Stadtbege(h)gnungen Kontakt sucht. Aber auch gemeinsam mit dem Stadtrat. Hier ist ihr Geschick als Moderatorin gefragt, sie muss Überzeugungsarbeit für ihre Ideen leisten, denn eine Ratsmehrheit hat sie nicht.
Neuer Wohnraum als wichtige Zielsetzung
Fachkräfte zu gewinnen, ist eines der Themen, dem sie Priorität einräumt. Dafür müsse die Innenstadt attraktiver werden, Gastronomie und Einzelhandel will sie stärken. Aber es muss auch Wohnraum geschaffen werden. Der soll unter anderem auf dem Betzenberg, auf einer Fläche hinter dem Fritz-Walter-Stadion, entstehen. Außerdem müsse in die Höhe gebaut werden. Für die neue Oberbürgermeisterin wird es darum gehen, eine Balance zu finden, zwischen dem Schaffen von Wohnraum und dem Erschließen neuer Gewerbeflächen auf der einen sowie der Abfederung der Folgen des Klimawandels und der Entwicklung der Stadt hin zur CO 2 -Neutralität auf der anderen Seite.
Als Teenagerin war Kimmel, die am Burggymnasium Abitur gemacht hat, in der Friedens- und Umweltbewegung aktiv. Sie und ihr Mann, mit dem sie im Ortsteil Siegelbach lebt, verzichten beispielsweise auf Flugreisen. Um die Aufenthaltsqualität in der Lauterer Innenstadt zu verbessern und die Stadt für Starkregen-Ereignisse zu rüsten, will sie Flächen entsiegeln.
Kimmel will Wertediskussion anstoßen
Probleme mit mangelnder Sicherheit und Sauberkeit in der Innenstadt begleiteten sie schon als Bürgermeisterin. Kimmel verweist darauf, dass unter ihrer Zuständigkeit einiges angestoßen wurde. So wird etwa häufiger gereinigt. Eine Studie der Technischen Universität Kaiserslautern hat gezeigt, dass sich viele Lauterer in der Innenstadt unsicher fühlen. Im Wahlkampf ließ Kimmel anklingen, dass sie ein Pilotprojekt zur Videoüberwachung nicht ausschließen möchte.
„Bewältigen können wir das aber nur gemeinsam“, betont die 54-Jährige. Kimmel, die aus einem protestantischen Elternhaus kommt – ihr Vater war Pfarrer – und die fünf ältere Geschwister hat, möchte eine Wertediskussion anstoßen. Es sind auch die sogenannten weichen Themen, die ihr am Herzen liegen. Sie möchte für eine größere Chancengerechtigkeit sorgen, um den sozialen Zusammenhalt in der Stadt zu stärken. Denn Kaiserslautern hat Problemviertel. Den Kalkofen zum Beispiel, der durch eine Fernsehdoku über den Asternweg deutschlandweit bekannt wurde.
Bekanntheit war ein Pfund, mit dem Kimmel im Wahlkampf wuchern konnte. Nicht nur als Bürgermeisterin ist sie in Lautern ein Begriff, seit 2011 ist die passionierte Schwimmerin Präsidentin der TSG Kaiserslautern, des größten Breitensportvereins der Stadt.
Im Rathaus muss sich die neue Oberbürgermeisterin nicht erst klimatisieren. Sie bezeichnet sich als „Kind der Verwaltung“. Nach einer Ausbildung zur Diplom-Verwaltungswirtin im öffentlichen Dienst bei der Bezirksregierung in Neustadt qualifizierte sie sich später für den Höheren Dienst. Als Klaus Weichel Präsident der Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd wurde, machte er Kimmel zu seiner persönlichen Referentin. Nach seiner Wahl zum Oberbürgermeister wechselte sie mit ihm zurück nach Kaiserslautern. Ab 2011 war sie Leiterin des Personalreferats der Stadtverwaltung, bis sie 2018 zur Bürgermeisterin gewählt wurde. Die Verwaltung dienstleistungsorientierter und flexibler aufzustellen, ist ihr ein Anliegen. Die Digitalisierung sieht sie dabei als große Chance, um Prozesse zu beschleunigen und Teilhabe zu ermöglichen.