Pfälzerwald
Wildtierkrankheiten: Gefahr für Mensch und Haustier?
Viele Krankheiten können vom Tier auf den Menschen übertragen werden. In der Medizin spricht man dabei von sogenannten „Zoonosen“. Eine der bekanntesten und gleichzeitig gefährlichsten Zoonosen ist die Tollwut. Die gute Nachricht vorweg: Die Tollwut gilt in Deutschland als ausgerottet. Der letzte identifizierte Tollwutfall bei einem Wildtier trat laut Robert-Koch-Institut (RKI) im Februar 2006 bei einem Fuchs auf. Seit 2008 gilt die Bundesrepublik als tollwutfrei.
Weltweit ist die Tollwut jedoch weit verbreitet. Die Weltgesundheitsorganisation WHO schätzt, dass jährlich etwa 60.000 Menschen daran sterben – hauptsächlich betroffen sind Asien und Afrika. Übertragen wird der Erreger normalerweise durch den Biss und den darüber ausgetauschten Speichel eines infizierten Tieres, meistens durch Hunde. Die Inkubationszeit, also die Zeit von der Infektion bis zum Ausbrechen der Krankheit, variiert laut RKI stark: von fünf Tagen bis zu mehreren Jahren. Sind die Symptome einmal ausgebrochen, gibt es laut Medizin-Literatur keine Heilung mehr, binnen weniger Tage stirbt man.
Diese Zoonosen gibt es in der Pfalz
In der Pfalz und im angrenzenden Saarland gibt es zwar keine Tollwut mehr, andere Zoonosen kommen allerdings vor: unter anderem FSME und Borreliose (übertragen durch Zecken) und die Tularämie, besser bekannt als Hasenpest. FSME und Borreliose werden zwar beide von Zecken auf den Menschen übertragen, sind jedoch nicht miteinander zu vergleichen.
FSME - Frühsommer-Meningoenzephalitis
FSME – ausgeschrieben Frühsommer-Meningoenzephalitis – wird durch Viren ausgelöst und verursacht eine Entzündung des Gehirns und der Hirnhäute. Laut der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (kurz: BZgA) verläuft eine FSME-Erkrankung in zwei Phasen, allerdings bleibt die Mehrheit der Infizierten beschwerdefrei. Gegen FSME gibt es eine Impfung.
Borreliose
Borreliose wird durch Bakterien, die bei einem Zeckenbiss übertragen werden können, ausgelöst. Gegen Borreliose gibt es keine Impfung. Die meisten Infektionen verlaufen laut BZgA ebenfalls ohne Symptome, typisches Erkrankungszeichen ist die sogenannte Wanderröte um die Bissstelle. Sollten die Symptome jedoch ausbrechen, können sie verschiedener Art sein: Bei drei von 100 Erkrankten wird das Nervensystem befallen, bei etwa fünf von 100 Erkrankten treten Gelenkentzündungen auf, sehr selten kann im Verlauf der Erkrankung auch das Herz betroffen sein.
Die Tularämie
Die Tularämie betrifft in erster Linie Hasen- und hasenartige Tiere (also Kaninchen), ist allerdings auch gefährlich für alle anderen Nagetiere. Erst im Januar wurde bei einem Feldhasen aus Gersheim (Saarpfalz-Kreis) die Hasenpest nachgewiesen. Innerhalb von vier bis dreizehn Tagen sind die meisten Tiere tot. Hunde und Katzen sind weitgehend gegen die Hasenpest resistent.
Die Tularämie kann aber auf den Menschen übertragen werden, meist passiert das über den direkten Kontakt mit infizierten Tieren. Möglich ist jedoch auch, dass Mücken oder Zecken die Krankheit als Zwischenwirt weitergeben.
Der Verlauf der Tularämie ist beim Menschen meist schwer, häufig lebensbedrohlich. Die Wahrscheinlichkeit, an der Erkrankung zu sterben, wird ohne Behandlung mit etwa 33 Prozent angegeben. Die Inkubationszeit beträgt zwischen einem und zehn Tagen. Typische Symptome sind Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, Entzündungen an den Eintrittsstellen sowie Schwellungen der Lymphknoten. Behandelt wird die Krankheit mit Antibiotika. Neben den äußeren Symptomen kann die Tularämie auch innere Beschwerden verursachen. Diese Form der Krankheit entsteht, wenn die Erreger eingeatmet werden oder über das Blut die inneren Organe erreichen. Befallen werden kann unter anderem die Lunge. Folgen können Lungenentzündung, Schmerzen im Brustkorb sowie starker Husten samt Auswurf und Luftnot sein. Generell gilt: Die Tularämie äußert sich beim Menschen stark unterschiedlich. Die Wahrscheinlichkeit, sich mit dem bakteriellen Erreger zu infizieren, ist jedoch sehr gering.
RHD (China-Seuche) und Myxomatose
Mit Blick auf die Haustiere gibt es zwei Krankheiten, die viel gefährlicher sind und die in der Pfalz und im Saarland immer wieder auftauchen. Für Hauskaninchen enorm gefährlich ist die Krankheit RHD, im Volksmund „China-Seuche“ genannt. RHD betrifft ausschließlich Kaninchen, sowohl in der freien Wildbahn als auch daheim. Das RHD-Virus ist hartnäckig und hoch ansteckend. Im Grunde reicht es schon, wenn Kaninchen-Halter durch ein Gehege mit infizierten Tieren laufen und daheim dann zu ihren Kaninchen gehen, ohne die Kleidung vorher zu wechseln und sich zu desinfizieren. In der Regel sterben mit RHD infizierte Kaninchen nach nur einem Tag, dass ungeimpfte Tiere die Krankheit überleben, ist sehr unwahrscheinlich. Einziger Schutz vor RHD ist eine Impfung beim Tierarzt. Gleiches gilt auch für die Kaninchen-Krankheit Myxomatose. Hier zieht sich der Tod für die Tiere länger hin, nach ein bis zwei Wochen sind etwa 60 bis 80 Prozent des Kaninchen-Bestandes verendet. Sowohl RHD als auch Myxomatose sind meldepflichtig, im Umkreis bricht die Krankheit immer wieder aus.
Aujeszkysche Krankheit
Aufgepasst beim Spaziergang durch den Pfälzerwald: Für Hunde enorm gefährlich ist die Aujeszkysche Krankheit, abgekürzt: AK, im Volksmund auch Pseudowut genannt. Erst vor wenigen Wochen ist im Saarland ein Hund daran gestorben, das hat die Tierklinik in Elversberg berichtet. Der Erreger ist ein Herpesvirus, das von Wild- und Hausschweinen getragen wird. Laut Landesuntersuchungsamt ist die Krankheit bei Hausschweinen in Rheinland-Pfalz seit über 20 Jahren nicht mehr vorgekommen, dafür allerdings bei Wildschweinen. Seit 2021 gibt es für Wildschweine sogar eine Meldepflicht, bei Hunden besteht diese nicht.
Die Infektion beim Hund passiert hauptsächlich über die Maul- und Nasenschleimhäute, etwa durch den Kontakt mit infizierten Wildschweinen. Eine Übertragung ist aber auch möglich, wenn dem Hund rohes, ungekochtes Schweinefleisch verfüttert wird. Ist ein Hund mit dem Virus infiziert, treten nach zwei bis vier Tagen plötzlich die Symptome auf: starker Juckreiz, Unruhe, permanentes Bellen, Angstzustände, Futterverweigerung, Durst, Erbrechen und Atemnot. Im weiteren Krankheitsverlauf kommen Krämpfe, Bewegungsstörungen, Apathie und Bewusstlosigkeit dazu. Nach einem bis drei Tagen endet die Krankheit immer tödlich. Eine Impfung für Hunde gegen die Aujeszkysche Krankheit gibt es nicht. Herrchen und Frauchen müssen daher vorsorgen: kein rohes Schweinefleisch verfüttern und den Vierbeiner (vor allem Jagdhunde) nicht in direkten Kontakt mit Schwarzwild kommen lassen. Für Menschen ist die Aujeszkysche Krankheit ungefährlich, es gibt laut Landesuntersuchungsamt keinen Hinweis, dass eine Infektion möglich ist.
