Pfälzerwald
Wie steht es um die Naturfreunde in der Pfalz?
Finsterbrunnertal, Oppenauer Haus, Groß-Eppental – um nur einige zu nennen: Insgesamt 16 Naturfreundehäuser können im Pfälzerwald auf einer Runde von 365 Kilometern erwandert werden. Einige Naturfreundehäuser werden von den jeweiligen Ortsgruppen – knapp 40 sind es in Rheinland-Pfalz – bewirtschaftet, andere sind verpachtet.
Manche der Häuser sind groß und bieten viele Übernachtungsmöglichkeiten, andere wiederum nicht. Das Naturfreundehaus Finsterbrunnertal gehört zur Ortsgruppe Kaiserslautern. In deren Veranstaltungsprogramm finden sich neben Wander- und Radausflügen auch das Angebot zum gemeinsamen Singen, eine Hobbygruppe und eine Kooperation mit der Wildnisschule.
Die Naturfreunde in Frankenthal bieten beispielsweise Linedance, Gitarrenspielen oder Basteln an, bei der Gruppe Hochstadt finden sich Stricken und ein Naturfreundechor unter den Angeboten. Die Ortsgruppen entscheiden also sehr individuell, was machbar ist und sie sind autonom. Das erklären die Landesvorsitzende der Naturfreunde Rheinland-Pfalz, Doris Barnett und ihr Stellvertreter, Reinhard Reibsch. Beim RHEINPFALZ-Gespräch in der Ludwigshafener Geschäftsstelle wird schnell klar, dass hinter den Naturfreunden weit mehr steckt, als die Betreuung ihrer Häuser.
Aktiv in der Friedensarbeit
Die Naturfreunde sind eine internationale Bewegung, die sich seit ihrer Gründung 1895 für den Schutz der Natur, die Förderung nachhaltiger Lebensweisen, für Frieden und Gerechtigkeit einsetzt. „Unsere Organisation wurde von einer Gruppe sozialistischer Arbeiter ins Leben gerufen, die es Arbeiterfamilien ermöglichen wollte, in der Natur unterwegs zu sein“, sagt Doris Barnett. Naturerfahrung sollte kein Privileg mehr sein.
Die Bewegung wuchs und heute zählt sie rund 350.000 Mitglieder auf der ganzen Welt. Die Probleme der Naturfreunde in der Pfalz sind ähnlich wie bei anderen Vereinen auch: Die Ortsgruppen leiden unter der Überalterung der Mitgliederschaft. Doris Barnett und Reinhard Reibsch erzählen von Gruppen, die sich aufgelöst haben – aber auch von Neugründungen.
Und eine Konkurrenz zum Pfälzerwaldverein, der ebenfalls in Ortsgruppen organisiert ist, seien sie ganz und gar nicht. Die Angebote der Naturfreunde sind vielfältig: von Wandern über Klettern, von Singen und Musizieren über Fotografieren, von Skifahren und Kanufahren bis hin zu Radwandern, Bogenschießen und vieles andere mehr. Aktuell kümmert sich die Ortsgruppe Bad Bergzabern beispielsweise um die Wiedereröffnung des Naturfreundehauses Bethof. Der Landesverband unterstützt, wo es möglich ist und nennt als aktuelle Herausforderung: die Mitgliedergewinnung.
„Keine Parteipolitik“
Die Naturfreunde nutzen mehrere Kommunikationswege, unter anderem auch die sozialen Medien, um ihre Angebote und Themen bekannter zumachen. Zu denen gehören auch Dinge abseits von Wandern und Wald: Umweltthemen wie ein sparsamer Umgang mit der Ressource Wasser werden aufgegriffen, die Gestaltung von naturfreundlichen Vorgärten oder die Realisierung eines Klimawegs in der Westpfalz gehören zu den Projekten. Die Naturfreunde engagieren sich zudem – ganz in der Tradition ihrer Historie – zu verschiedenen gesellschaftspolitischen Themen.
„Wir betreiben keine Parteipolitik, zeigen uns aber auf Demos und treten für eine offene und gerechte Gesellschaft ein“, sagt die Vorsitzende. Dazu gehöre auch eine engere Zusammenarbeit mit anderen Umweltverbänden bei Themen von gemeinsamem Interesse. So habe man sich im letzten Jahr an einer bundesweiten Friedensaktion beteiligt, die nun wiederholt werden soll. „Es sind verschiedene Veranstaltungen an den Häusern, aber auch Wanderungen und Radtouren geplant, durch die wir ein Zeichen für Frieden setzen“, sagt Reinhard Reibsch.
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