Barrierefreie Entdeckungstour RHEINPFALZ Plus Artikel Unterwegs mit dem Rollstuhl: Spaziergang durch den Kurpark und die Altstadt in Bad Dürkheim

Vorfreude: eine Brücke führt zur „Pfälzer Meeresbrise“.
Vorfreude: eine Brücke führt zur »Pfälzer Meeresbrise«.

Ein barrierefreier Spaziergang durch den Kurpark und die Altstadt von Bad Dürkheim – entspannt entdecken, was die Stadt für alle zugänglich macht.

Idylle mit Blüten.
Idylle mit Blüten.

Endlich! Unsere Ausflüge sind ein Stück unkomplizierter geworden: Der neue und leichte Rollstuhl – rot, wendig und mit gerade mal zwölf Kilo Gewicht – passt sogar in meinen Fiat 500. Mit wenigen Handgriffen ist er hinter dem Sitz verstaut, ganz ohne Umbau. Los geht’s: An einem leicht bewölkten Frühlingstag startet unsere Tour mit dem neuen Rolli an Bord nach Bad Dürkheim in den Kurpark.

Im Kurpark freigelegt und renaturiert: die Isenach.
Im Kurpark freigelegt und renaturiert: die Isenach.

Grün, Wasser und Salz

Der Festplatz am Dürkheimer Riesenfass bietet, nur wenige Fußminuten vom Kurpark entfernt, ausreichend Parkplätze – eine Seite davon sogar gebührenfrei. Der Park selbst mit seinen gepflegten Wegen und alten Bäumen begrüßt uns mit einer bunten Blütenpracht in schön angelegten Bereichen und eignet sich wunderbar für den Spaziergang mit dem Rollstuhl. Gleich zu Beginn plätschert die freigelegte Isenach und schlängelt sich nun sichtbar durch das Grün, begleitet von kleinen Brücken und flachen Ufern. Enten watscheln gemütlich über Wiesen und Wege.

Prägt das Bild am Parkeingang: Ludwigskirche.
Prägt das Bild am Parkeingang: Ludwigskirche.

Aus der Ferne hört man schon das leise Rauschen der Salinen – man spürt es eigentlich mehr als man es hört. Der Gradierbau, eine monumentale Holzkonstruktion, zieht sofort alle Blicke auf sich: Über zwei jeweils rund 333 Meter lange Wände aus Reisig rieselt Sole und wird zur „Pfälzer Meeresbrise“ vernebelt. Der Begriff „Gradieren“ stammt noch aus der Zeit der Salzgewinnung – durch das Verrieseln der Sole über Schwarzdornreisig wurde die Salzkonzentration erhöht. Heute dient die Anlage der Luftreinigung und Kurbehandlung. Der feine Salznebel liegt selbst am Rand noch in der Luft und verleiht dem Ort eine nahezu meditative Ruhe – fast wie ein Spaziergang am Meer, mitten in der Pfalz. Als barrierefrei ausgezeichnet, kann man den Wandelgang im ersten Stock durch einen Aufzug problemlos erkunden. Hunde dürfen allerdings nicht hinein. Aber auch der Anblick von außen – über 300 Meter Holzarchitektur – ist eindrucksvoll. Wer mehr darüber erfahren möchte, lässt sich bei einer Führung in die Geheimnisse des „Weißen Goldes“ einweihen (Info: 06322 9354500).

Gewatschel über Wege.
Gewatschel über Wege.

Fachwerk, Geschichte und Kopfsteinpflaster

Weiter geht es Richtung Altstadt, vorbei an der Stadtpfarrkirche St. Ludwig. Sie wurde 1829 im klassizistischen Weinbrennerstil erbaut und ist ebenfalls Teil des barrierefreien Kurrundgangs durch die Stadt. Besonders sehenswert ist das monumentale Altarbild einer Kreuzigungsszene von Paul Thalheimer aus den 1930er Jahren. Während der Rollstuhl im Park auf glatten Wegen mühelos lief, wird es in der Altstadt holpriger: Kopfsteinpflaster und enge Gassen prägen das Bild. Aber mit ein bisschen Geduld und dem Blick für die glatteren Abschnitte kommen wir ganz gut voran.

Zum Abschluss: Einkehren am Römerplatz.
Zum Abschluss: Einkehren am Römerplatz.

Im Herzen des Kurstädtchens liegt die Schlosskirche. Ihre Wurzeln reichen zurück bis ins Jahr 946, damals noch ein hölzerner Bau. Im 12. Jahrhundert entstand eine romanische Kirche aus Stein – Reste davon sind bis heute im hin-teren Teil des Mittelschiffs sichtbar. Später folgte der gotische Umbau. Ursprünglich war sie Johannes dem Täufer geweiht. Im 18. Jahrhundert, mit dem Bau der leiningischen Residenz (heute Kurhaus), wurde sie zur Schlosskirche umbenannt. Der heutige Turm stammt ebenfalls aus dieser Zeit. Die evangelische Stadtkirche gilt seitdem als Symbol für den Wiederaufbau nach dem Pfälzischen Erbfolgekrieg.

Barrierefreiheit rund um den Seewoog: auch die Kneipp-Anlage ist für alle zugänglich.
Barrierefreiheit rund um den Seewoog: auch die Kneipp-Anlage ist für alle zugänglich.

Besonders schön ist es in den kleinen Seitenstraßen. Renovierte Fachwerkhäuser wechseln sich mit idyllischen Innenhöfen, kleinen Geschäften, Cafés und verwitterten Torbögen ab. Es ist Sonntag – es bleibt bei einem Blick in die einladenden Schaufenster.

Ein Glas Wein – und Regen

Zum Abschluss drehen wir noch eine Runde auf den Stadtplatz, um einen schönen Tropfen Pfälzer Wein zu genießen. Die Vinothek ist gut besucht, aber draußen am Fass finden wir noch ein Plätzchen. Gerade als wir überlegen, vielleicht noch einen zweiten Wein zu probieren, zieht der Himmel zu. Schnell, fast dramatisch. Erste Tropfen fallen – wir packen fix zusammen. In wenigen Minuten sind wir am Auto – und gerade als wir alle sicher drin sitzen, setzt ein heftiger Platzregen ein. Gut für die Natur – zum Glück sind wir rechtzeitig im Trockenen gelandet ...

Trotz des spontanen Abbruchs ist die Premiere geglückt. Überhaupt tut sich bezüglich Barrierefreiheit auch gerade viel in der Region, immer mehr Wege werden barrierefrei.

Für die Südwestpfalz ist gerade die ganz neue Broschüre „Pfälzerwald barrierefrei“ mit mehr als 60 barrierefreien Ausflugszielen erschienen. Das war also sicher nicht unsere letzte Tour. Der Rolli ist bereit – und beim nächsten Mal erlaubt das Wetter vielleicht auch einen Restaurantbesuch im Anschluss.

Parkplatz am Riesenfass – Kurpark – Altstadt Bad Dürkheim, etwa 2 Stunden, gut befahrbare Wege im Kurpark; Gradierbau: barrierefreier Zugang zum Wandelgang (1. Etage); Altstadt: Kopfsteinpflaster mit befahrbaren Abschnitten, Info: Telefon 06322 935140, bad-duerkheim.de

Barrierefrei in der Region: Tipps und Touren

Barrierefreiheit in Bad Dürkheim
Es gibt stufenlose Führungen durch die Stadt und den Kurpark. Zudem können Familien mit Kinderwagen, Reisende mit Handicap oder Rollstuhlfahrer auf Wegen rund um Bad Dürkheim entlang der Weinreben gut spazieren gehen. Die Homepage der Kurstadt listet viele Tipps zur Infrastruktur, Restauranttipps und mehr zur Barrierefreiheit unter: www.bad-duerkheim.de

Barrierefreier Eiswoog
Ein Naturerlebnispfad führt rund um den Eiswoog. Der drei Kilometer lange Rundwanderweg am See mit Aussichtsplattform, Uferzugängen und Bootsrundfahrten sind auch für Rollstuhlfahrer zugänglich. Info unter: www.wald.rlp.de/forstamt-donnersberg

Biblischer Weinpfad
Auf dem 2,5 km langen zertifiziert barrierefreien Rundweg bei Kirrweiler können Bibel und Wein neu entdeckt werden mit 12 Stationen zum Innehalten und Erfreuen. Info beim i-Punkt: Telefon 06321 5079

Rundweg am Seewoog
Die Wege rund um den See in Miesenbach wurden so gestaltet, dass sie mit dem Rollstuhl oder mit Kinderwagen gut befahrbar sind. Eine barrierefreie Toilette ist rund um die Uhr mit einem Euro-Schlüssel zugänglich. Info: 06471 592-108

Barrierefrei in der Südwestpfalz
Eine Broschüre präsentiert einen Überblick über die Barrierefreiheit in der Südwestpfalz. Alle Angebote wurden von einem Mitarbeiter, der selbst auf den Rollstuhl angewiesen ist, überprüft und ausprobiert. Das Magazin ist beim Team der Südwestpfalz-Touristik erhältlich. Telefon: 06331 809126 und https://www.suedwestpfalz-touristik.de/barrierefrei.html

Runde um den Ohmbachsee
Der Rundweg um den Ohmbachsee bei Gries in der Westpfalz ist etwas mehr als 3 Kilometer lang und eignet sich ideal für Spaziergänge mit Rollstuhl oder Kinderwagen. Die schöne Strecke verläuft teils auf dem „Ritter Gerin Wanderweg“. Info: tourenplaner-rheinland-pfalz.de

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An dieser Stelle finden Sie Umfragen von Opinary.

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