Von 8. bis 16. August Rausch der Zwanziger: „Fermate“ in Birkweiler und Siebeldingen
Zum „Aufwärmen“ lässt man am 8. August „Berlin im Licht“ erstrahlen – was natürlich bildlich gesprochen ist, denn das so betitelte Dinnerkonzert findet nicht an der Spree, sondern in Birkweiler statt, im Weingut Dr. Wehrheim. Zu einem Drei-Gänge-Menü mit Weinbegleitung servieren die „Masterminds“ des Festivals – Sopranistin Ilse Berner und der Pianist Christoph Berner – freche und frivole Lieder von Weill und Hollaender. Dazu rezitiert Michael Konrad, Redakteur der „Rheinpfalz am Sonntag“, Texte von Kurt Tucholsky, Erich Kästner und dem in Pirmasens geborenen Dada-Dichter Hugo Ball.
Das eigentliche Festival beginnt am 13. August mit einer rein musikalischen „Revue de Cuisine“. Typisch für die „Fermate“ ist, dass Ilse und Christoph Berner stets eine große Schar befreundeter Musiker um sich scharen, was abwechslungsreiche Programmzusammenstellungen erlaubt. So führt zum Beispiel das Eröffnungskonzert von Ravels Violinsonate G-Dur, die in ihrem langsamen Satz Blues-Zitate verarbeitet, über Lieder aus der „Dreigroschenoper“ und Erwin Schulhoffs Divertissement für Holzbläser zur titelgebenden „Küchen-Revue“. Diese komponierte der Tscheche Bohuslav Martinu 1927 als Ballettmusik für ein Sextett aus Trompete, Klarinette, Fagott, Violine, Cello und Klavier (Do 13.8., 19.30 Uhr, Siebeldingen, Weingut Siener-Dr. Wettstein).
Zwischen Jazz und Neoklassizismus
So originell sind auch die fünf weiteren Konzerte aufgebaut, die bis 16. August folgen. Einen Bogen von der bukolischen Oboensonate, die Camille Saint-Saëns 1921 schuf, zu Johannes Brahms’ tiefmelancholischem Horntrio aus dem Jahr 1865 schlägt man am 14. August um 19.30 Uhr, ebenfalls in Siebeldingen. Erlesenes vom Italiener Alfredo Casella (1883-1947), nämlich eine neoklassizistische „Serenata“, die neben quasi-barocken Tanzsätzen wie Menuett und Gavotte auch ein Notturno und eine Cavatina enthält, findet sich in der Matinee am 15. August um 11 Uhr – neben Mozarts „Kegelstatt“-Trio für Klarinette, Viola und Klavier, einer Bratschensonate von Paul Hindemith und den „Zeitungsausschnitten“, die Hanns Eisler in seinem Opus 11 vertonte (Birkweiler, Weingut Dr. Wehrheim).
Vivaldi und der Gorilla mit der Villa
Die „Fermate“-Macher nehmen aber nicht nur die 20er-Jahre des 20. Jahrhunderts ins Visier. Mit Schubert-Liedern geht’s zurück in die 1820er-Jahre (Sa 15.8., 19.30 Uhr, Open Air in Birkweiler). Und mit Triosonaten und Vokalwerken von Vivaldi, Händel, Telemann und Zelenka baut man in die Zeitreise gleich noch einen Schlenker in die 1720er-Jahre ein. Um dieses barocke Repertoire stilecht darbieten zu können, gehört erstmals eine Cembalistin – Chiara Massini – zur „Fermate“-Crew (So 16.8., 11 Uhr, Birkweiler, Weingut Dr. Wehrheim).
Beim Open-Air-Finale am 16.8. ab 19.30 Uhr auf dem Ortsmittelpunkt in Birkweiler bilden die Musiker des Festivals ein Salonorchester, das neben Werken von Martinu und Janácek zunächst klassische Tangos interpretiert, ehe die „Fermate“ mit alten Schlagern ausklingt: „Mein Gorilla hat ’ne Villa im Zoo“ ...
Fermate: Klassikfestival Südliche Weinstraße – 13.-16.8., Siebeldingen und Birkweiler, Karten: 06346 6979910, pfalzshow.de/fermate
