LEO-Wandertipp Pfälzer Waldpfad (Etappe 9): Deutsch-französisches Finale
Drei Qualitätsfernwanderwege schlängeln sich viele Kilometer durch die Pfalz. Dem auswärtigen Touristen empfehlen sie sich für mehrtägige Touren, dem Einheimischen eher für Tagesteilwanderungen. In neun Etappen führt der Pfälzer Waldpfad von Kaiserslautern nach Schweigen-Rechtenbach und bietet Felsen, Burgen, schweißtreibende Steigungen, herrliche Ausblicke und vor allem Pfälzerwald pur. Mit der Beschreibung seines neunten Teilstücks endet unsere ausführliche Vorstellung der drei großen pfälzischen Fernwanderwege.
Noch immer bewohnt: Burg Berwartstein
Zum südlichsten Punkt der Weinstraße führt die neunte und letzte Etappe des Pfälzer Waldpfads. Los geht es in Erlenbach. Von dort aus führt uns die Markierung zur nahen Burg Berwartstein. Sie wurde 1152 erstmals urkundlich erwähnt und zählt heute zu den beliebtesten und meistbesuchten Pfälzer Burgen. Eine Besonderheit: Sie befindet sich in Privatbesitz und ist die einzige bewohnte Burg des Wasgaus. Als nächstes Zwischenziel lädt der durch Bachstau entstandene Seehof-Weiher zu einer Abkühlung ein. Seit 1950 wird er als Bade- und Fischgewässer genutzt.
Einkehr an der Grenze
Weiter geht es zum Waldgasthof St. Germanshof an der deutsch-französischen Grenze, und kurz darauf haben wir französischen Boden unter den Füßen. Am Waldrand angekommen können wir einen fantastischen Blick auf Weißenburg und bei gutem Wetter bis zur Hornisgrinde im Schwarzwald genießen. Der leicht geänderten Wegmarkierung folgend (das Waldpfadlogo ist hier kleiner und auf den weißen Tafeln des Vogesen-Clubs angebracht) geht es zurück nach Deutschland zum Deutschen Weintor in Schweigen-Rechtenbach. Das Tor wurde 1936 im Zuge der Einführung der Deutschen Weinstraße gebaut. Es zeigt deutlich die gestalterischen Prinzipien seiner Entstehungszeit in der nationalsozialistischen Diktatur. Das Weintor markiert den südlichen Beginn der 85 Kilometer langen Deutschen Weinstraße.
Historisches Extra: Besuch auf Burg Berwartstein
Unvergesslich ist der Berwartstein für jüngere Schulkinder: Selbst mit allen digitalen Wassern gewaschenen Exemplaren bleibt der Mund offen, wenn der Fremdenführer in der Halle der Burg mit einem Schutt Wasser die Tiefe des Brunnens auslotet: es dauert einen ziemlichen Moment, bis die Flüssigkeit 104 Meter tiefer auf den Wasserspiegel klatscht – so tief haben die mittelalterlichen Burgbauer sich in den Sandsteinfelsen gewühlt, bis sie Wasser fanden.
Kurioser Eingang
Ein anderer, immerhin 20 Meter hoher Felsschacht war in der Anfangsphase der 1152 erstmals erwähnten Burg wohl der einzige Zugang zum Ritternest: Rasch waren die Leitern hochgezogen, ein einziger Mann konnte den fast senkrechten Zugang leicht verteidigen, kochende oder übelriechende Flüssigkeiten taten ein Übriges, um den Berwartstein uneinnehmbar zu machen. War genügend Proviant eingelagert, ließ das nie ausgehende Brunnenwasser die Besatzung jede Belagerung überstehen. Nur einmal, anno 1314, gelang es laut Überlieferung, die Burg einzunehmen: durch Verrat. Die neuere These, der erwähnte Felstunnel könne ein Belagerungsstollen sein, ist wenig plausibel: Die Angreifer hätten ein solches Werk kaum unbemerkt vollbringen können.
Am Anfang Reichsburg
Der Berwartstein ist irgendwann vor 1152 als Reichsburg gebaut worden. In jenem Jahr schenkte ihn Kaiser Friedrich Barbarossa dem Speyerer Bischof, später brachten diverse Rittergeschlechter die Burg mit der dazugehörenden Handvoll Dörfer an sich. Ihr Hauptgewerbe scheint über Generationen gewesen zu sein, elsässische Städte und dorthin reisende Händlerkarawanen zu berauben. Straßburg und Hagenau vereinigten sich daher im erwähnten Jahr 1314 zum Vergeltungsfeldzug.
Raubritter Hans Trapp
Hans von Drodt (im Volksmund noch heute als Hans Trapp bekannt) trieb es um 1500 besonders dreist. Im Auftrag des pfälzischen Kurfürsten schädigte er die Abtei Weißenburg, wo er nur konnte. Der Kurfürst stand lachend im Hintergrund, denn er wollte seinen Besitz auf Kosten des Klosters erweitern. Die Proteste gegen Hansens Raubritterwesen beschäftigten mehrere Reichstage, da der Kaiser es aber mit dem mächtigen Kurfürsten nicht verderben wollte, blieb von Drodt – außer dass Kirchenbann und Reichsacht ausgesprochen wurden – ungeschoren. Wohl ein Blitz ließ den Berwartstein 1591 ausbrennen, seitdem lag er wüst, blieb so aber von den Zerstörungen der Franzosenkriege unbehelligt. Ab 1893 baute Hauptmann Theodor von Bagienski die Burg in freier Nachempfindung des Gewesenen wieder auf.
Abenteuer für Kinder
So viel Geschichte? Ja. Aber sie wird, besonders für Kinder, bei den Burgführungen überaus anschaulich. Das gibt es so nirgends sonst in der Pfalz. Waffenkammer, Folterstube, Schlafgemach und Küche halten sicher keiner strengen historischen Kritik stand, der Umbau eines Drodtschen Geschützturms in eine bemalte Kapelle ist fast grotesk. Aber all das gibt zusammen mit den Worten der Führer, die allzu romantische Vorstellungen vom Burgleben realistisch zurechtrücken, eine sinnliche Vorstellung, die haften bleibt. Ein Pfälzer muss als Kind einmal hier gewesen sein. Und spätestens wiederkommen, wenn er selbst Kinder hat.
Etappe 9
Start: Erlenbach, Ziel: Deutsches Weintor Schweigen-Rechtenbach
Bus und Bahn: Mit der Bahn nach Hinterweidenthal und Bus 250 nach Dahn und weiter mit Bus 545 nach Erlenbach. Oder mit der Bahn nach Bad Bergzabern und mit Bus 545 nach Erlenbach. Zurück zum Start: mit Bus 543 nach Bad Bergzabern und weiter mit Bus 545 nach Erlenbach.
Tour-Info: Streckenlänge: 17,7 Kilometer, leichte bis mäßige Steigungen. Proviant sollte in ausreichender Menge mitgenommen werden.
Rastplatz: Burg Berwartstein im Dahner Felsenland, oberhalb von Erlenbach. Burgführungen und Gastronomie März bis Oktober täglich, November bis Februar Sa/So ab 10 Uhr bis zum späten Nachmittag nach Bedarf. Derzeit coronabedingt Bewirtung nur auf der Terrasse. Info: Tel. 06398 210.
Adresse: Waldrestaurant St. Germanshof, St. Germanshof 10, bei Bobenthal, Mi-So mittags und abends. Gastronomie in Erlenbach und Schweigen-Rechtenbach.